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Friedrich-Karl Sandmann : Herr der Löffel

  • -Aktualisiert am

Auch Biolek schrieb für Sandmann Bild: WDR/Hajo Hohl

Der neue "Verleger des Jahres" des Branchenmagazins "Buchmarkt" muß als einer der wichtigsten Vermittler des Kochens in den letzten Jahrzehnten gewürdigt werden.

          Wenn man sich irgendwo auf die Suche nach Henne und Ei macht, findet man regelmäßig viele große Hennen und oft erstaunlich kleine Eier. Der neue "Verleger des Jahres" des Branchenmagazins "Buchmarkt" muß als einer der wichtigsten Vermittler des Kochens in den letzten Jahrzehnten gewürdigt werden. Weit vor der qualitativ bedenklichen Inflationierung der Kochsendungen hat er mit den berühmten "Büchern mit dem Löffel" (so genannt wegen des Holzlöffels auf dem Titel) schon 1984 das erste Massenkochbuch im modernen Stil auf den Markt gebracht und damit - ganz ohne mediale Galionsfigur - einen der größten Erfolge der Geschichte des Kochbuchs erzielt. Die Auflage der Serie erreichte sagenhafte sechs Millionen Exemplare weltweit und schaffte sogar den Transfer ins Mutterland der Gourmandise, nach Frankreich.

          Das Besondere lag aber vor allem im Konzept. "Ich will das Prinzip des Kochens vermitteln", nennt der fünfundfünfzig Jahre alte Sandmann den damals neuartigen Schritt auf eine Meta-Ebene. Statt der Aneinanderreihung von Rezepten und Fotos von fertigen Tellern gab es nun Detailbilder und vor allem erstmals die mittlerweile selbstverständliche Step-by-Step-Fotografie. Ziel war es, dem völligen Laien einen Einstieg ins Kochen zu ermöglichen und ihm gleichzeitig eher zu zeigen, was man alles mit der Pasta anfangen kann, als ihn mit mehr oder minder komplexen Kreationen zu überfordern. Das saß und klappte, von der WG über die neuen Singles bis zur "neuen" Hausfrau ohne den klassisch-familiären Hintergrund und - nicht zu vergessen - den aufrückenden Männern. Diese Bücher haben viele Leute zum Kochen gebracht.

          Abgerundetes kulinarische Profil

          Den Verlag Zabert Sandmann gründete Sandmann 1984 gemeinsam mit dem Fotografen Arnold Zabert. Nach dessen Ausscheiden ging der Verlag zum Teil in den Besitz von Heyne über. Zu Beginn dieses Jahres kaufte Sandmann diese Anteile zurück, so daß er jetzt alleiniger Gesellschafter ist. Über die Jahre blieb dem Unternehmen das richtige Gespür für breitenwirksame kulinarische Themen mit kleinen Besonderheiten erhalten. Seit 1989 arbeitet man etwa mit Sterne- und Fernsehkoch Alfons Schuhbeck zusammen, der mit seinen drei Büchern zur "Hausmannskost" ebenfalls einen Nerv der Zeit getroffen hat und ein wichtiger Mittler zwischen handwerklich gediegener Kochtechnik und ihrer privaten Anwendung geworden ist. Ein weiterer Markstein sind die gesammelten Werke von Alfred Biolek, in dem man sozusagen einen Schüler der Löffel-Kochbücher zum Gärtner gemacht hat, populär bis populistisch, mit gut zweieinhalb Millionen Büchern ein Dauerbestseller und zuletzt erfreulich verbessert mit Kochlegende Eckart Witzigmanns Mithilfe.

          Abgerundet wird das kulinarische Profil (es gibt auch eine Gesundheitssparte, unter anderem mit Kult-Arzt Müller-Wohlfahrt) durch die ebenfalls international, nicht zuletzt in den Vereinigten Staaten erfolgreichen Weinbücher von Jens Priewe, eine Menge von kleineren Kochschulen und "Trendkochbüchern" und - auch dies eine interessante Perspektive - eine Reihe von Kinderkochbüchern im Zusammenhang mit der "Sendung mit der Maus" und dem Kinder-Kanal. Jetzt können wir also alle etwas kochen.

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