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Friedenspreis : Boualem Sansal lobt „arabischen Frühling“

  • Aktualisiert am

Boualem Sansal Bild: dapd

In seiner Heimat verfolgt, in Frankfurt geehrt: Der algerische Schriftsteller Boualem Sansal hat in der Paulskirche den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhalten.

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          Der algerische Schriftsteller Boualem Sansal ist am Sonntag mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet worden. Bei der Preisverleihung in der Frankfurter Paulskirche hob Sansal die Bedeutung des „arabischen Frühlings“ für die Welt hervor. Die arabischen Revolutionen seien eine „kopernikanische Wende“.

          „Wir spüren alle, dass sich seit der tunesischen Jasminrevolution in der Welt etwas geändert hat“, sagte der 1949 im algerischen Teniet el Had geborene Schriftsteller. Die Revolution sei mehr als nur eine „Jagd auf alte bornierte und harthörige Diktatoren“ in den arabischen Ländern. „Die Menschen wollen eine echte universelle Demokratie, ohne Grenzen und ohne Tabus.“ Alles, was das Leben verarmen lasse, sei dem Gewissen der Welt unerträglich geworden. Im Nahen Osten würden wie 1989 in Deutschland „mit herrlichem Getöse“ sämtliche Mauern fallen, sagte Sansal. Er forderte zudem ein Ende der Gewalt im israelisch-palästinensischen Konflikt.

          Der Romancier, der 1999 mit „Der Schwur der Barbaren“ debütierte, wird mit dem Preis in Höhe von 25.000 Euro als ein leidenschaftlicher, geistreicher und mitfühlender Erzähler geehrt, wie es in der Begründung des Stiftungsrats des Friedenspreises heißt. Sansal übe als einer der wenigen in Algerien verbliebenen Intellektuellen Kritik an den politischen Verhältnissen. Sansals Romane und Essaybände sind in seiner Heimat verboten. Dennoch lässt der Autor, der bis zu seiner Entlassung 2003 hoher Beamter im Wirtschaftsministerium war, nicht nach in seiner Kritik an den Zuständen in Algerien.

          In seiner Laudatio würdigte Peter von Matt Sansal gleichermaßen als Künstler und politischen Kopf. Er sei eine einzelne Stimme, die auf die langsame Gewalt der Literatur vertraue, sagte der Schweizer Germanist. Geehrt werde der Rang seines Zeugnisses und der Mut, mit dem er es vor aller Welt ablege, sagte Gottfried Honnefelder, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.

          Der Geehrte nannte die Auszeichnung eine „aufmunternde Geste“. Sie belege das Interesse dafür, „wie wir Völker des Südens versuchen, uns vom Joch unserer bösartigen und archaischen Diktaturen zu befreien“. Der Friedenspreis sei wie der Finger Gottes. „Sobald er unsere Stirn berührt, verwandelt er uns in Soldaten des Friedens“, sagte Sansal.

          Mit der Auszeichnung will für Börsenverein in diesem Jahr ein Signal zur Stärkung der Demokratiebewegung in Nordafrika setzen. Zur feierlichen Übergabe waren mehrere hundert Gäste gekommen. Dazu gehörte auch Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU). Im vergangenen Jahr hatte der Börsenverein den israelischen Autor David Grossmann geehrt, der sich für die Aussöhnung seines Landes mit den Palästinensern einsetzt.

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