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Als Marcel Reich-Ranicki vor vier Jahrzehnten die Frankfurter Anthologie begründete, war nicht abzusehen, wie lange dieses Experiment Bestand haben würde. Auch nach vierzig Jahren ist der ewige Vorrat deutscher Poesie keineswegs aufgebraucht. Dennoch ist es an der Zeit für eine Öffnung. So wird sich die Frankfurter Anthologie, die von Oktober 2014 an von Hubert Spiegel betreut wird, künftig der Poesie aus aller Welt widmen: Neben deutschsprachigen Gedichten soll auch fremdsprachige Lyrik behandelt werden, sofern sie in einer angemessenen Übersetzung vorliegt. Die inzwischen annähernd 2000 Gedichte der Frankfurter Anthologie werden auch in einer Buchreihe veröffentlicht.

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Frankfurter Anthologie : Claudia Gabler: „ohne Titel“

Zusammenhänge leuchten auf und werden wieder verwischt, auf Wirklichkeitssplitter folgt Erfundenes: Dieses Gedicht handelt vom Klimawandel, von maßlosen Ohnmachten und Bärengetue. Sein großer Impulsgeber sind Assoziationen.

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  • Frankfurter Anthologie : Johann Joachim Ewald: „Der Sturm“

    Ein Schiff geht unter, es wird zertrümmert von der Gewalt der Wellen, aber der Beobachter bleibt nahezu ungerührt. Wie kann das sein? Der Philosoph Hans Blumenberg hat in diesen Versen das Paradigma einer Daseinsmetapher erkannt.
  • Frankfurter Anthologie : Marie T. Martin: „Brief im April“

    Ist unser Leben nicht mehr als ein „Lichtspalt zwischen zwei Ewigkeiten des Dunkels“ ist, wie Vladimir Nabokov schrieb? Ein Gedicht über die Vergänglichkeit - und über all das, was uns mit dem Leben verbindet.
  • Frankfurter Anthologie : Frances E. W. Harper: „Mehr Licht!“

    Literaturgeschichte trifft Literaturpolitik: Eine schwarze Dichterin schreibt im neunzehnten Jahrhundert über den sterbenden Goethe, Stephan Hermlin übersetzt ihr Gedicht 1948 in der Sowjetischen Besatzungszone für den soeben gegründeten Verlag Volk und Welt.
  • Frankfurter Anthologie : Tomas Tranströmer: „Espresso“

    Was ist das? Es ist kostbar und konzentriert, wohltuend und kraftspendend. Es hat sechs Strophen mit je zwei Zeilen, und wenn man die Augen schließt, kann man riechen, wie es duftet.
  • Frankfurter Anthologie : Aras Ören: „Die Fremde ist auch ein Haus“

    Als Integration noch ein Fremdwort war: Dieses Gedicht führt zurück in die siebziger Jahre und den türkischen Teil Kreuzbergs, als man noch von Gastarbeitern sprach. Sein Thema: weibliche Selbstfindung im Spannungsfeld zwischen Aufbruch, Heimatsuche und Tradition.