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Als Marcel Reich-Ranicki vor vier Jahrzehnten die Frankfurter Anthologie begründete, war nicht abzusehen, wie lange dieses Experiment Bestand haben würde. Auch nach vierzig Jahren ist der ewige Vorrat deutscher Poesie keineswegs aufgebraucht. Dennoch ist es an der Zeit für eine Öffnung. So wird sich die Frankfurter Anthologie, die von Oktober 2014 an von Hubert Spiegel betreut wird, künftig der Poesie aus aller Welt widmen: Neben deutschsprachigen Gedichten soll auch fremdsprachige Lyrik behandelt werden, sofern sie in einer angemessenen Übersetzung vorliegt. Die inzwischen annähernd 2000 Gedichte der Frankfurter Anthologie werden auch in einer Buchreihe veröffentlicht.

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  • Frankfurter Anthologie : Aras Ören: „Die Fremde ist auch ein Haus“

    Als Integration noch ein Fremdwort war: Dieses Gedicht führt zurück in die siebziger Jahre und den türkischen Teil Kreuzbergs, als man noch von Gastarbeitern sprach. Sein Thema: weibliche Selbstfindung im Spannungsfeld zwischen Aufbruch, Heimatsuche und Tradition.
  • Frankfurter Anthologie : Marcel Beyer: „Schnee“

    Die Endreimstimmung ist schon lange vorüber. Aber ihre Vertreter können noch immer befragt werden – und mit ihnen alle Gespenster der Vergangenheit.
  • Frankfurter Anthologie : Konstantinos Kavafis: „Grau“

    Schönheit und Jugend, eingeschlossen in einem Opal: Dieses Gedicht ist eine Beschwörung der Vergänglichkeit und der Kraft der Erinnerung, sie für einen glücklichen Moment wieder aufzuheben.
  • Frankfurter Anthologie : Jan Wagner: „sarajewo“

    Ein sanfter Blick zurück auf schreckliches Geschehen: Ein Gedicht des Büchnerpeisträgers Jan Wagner, 25 Jahre nach dem Massaker von Srebrenica.