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Als Marcel Reich-Ranicki vor vier Jahrzehnten die Frankfurter Anthologie begründete, war nicht abzusehen, wie lange dieses Experiment Bestand haben würde. Auch nach vierzig Jahren ist der ewige Vorrat deutscher Poesie keineswegs aufgebraucht. Dennoch ist es an der Zeit für eine Öffnung. So wird sich die Frankfurter Anthologie, die von Oktober 2014 an von Hubert Spiegel betreut wird, künftig der Poesie aus aller Welt widmen: Neben deutschsprachigen Gedichten soll auch fremdsprachige Lyrik behandelt werden, sofern sie in einer angemessenen Übersetzung vorliegt. Die inzwischen annähernd 2000 Gedichte der Frankfurter Anthologie werden auch in einer Buchreihe veröffentlicht.

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  • Frankfurter Anthologie : Adam Zagajewski: „Miłosz lesend“

    Oft lassen Dichter keinen guten Vers an den Werken des Kollegen. Bei den beiden großen polnischen Lyrikern Adam Zagajewski und Czesław Miłosz war das anders. Beide verband eine seltene Zustimmung zur Welt.
  • Frankfurter Anthologie : Czesław Miłosz: „Die Schmiede“

    Tuchfühlung mit verlorener Zeit und verschollenem Raum: In der Beschreibung einer Schmiede findet Czesław Miłosz ein Inbild von Werkstatt und Arbeit – und einen Spiegel der fernen Kindheit im ländlichen Litauen.
  • Frankfurter Anthologie : Rafael Alberti: „Der unbekannte Engel“

    Was ist das für ein herabgestiegener Engel in diesem Gedicht? Er erinnert an die Flügelwesen in Wim Wenders’ Film „Der Himmel über Berlin“. Vor allem eines aber unterscheidet ihn: der Selbstzweifel.
  • Frankfurter Anthologie : Heiner Müller: „Fahrt nach Plovdiv“

    Die Landschaften der Antike, die für sein Werk so wichtig werden sollten, hat Heiner Müller zunächst in Bulgarien entdeckt. Mit diesem Gedicht erinnern wir an den bevorstehenden zwanzigsten Todestag des Lyrikers und Dramatikers.
  • Frankfurter Anthologie : Max Dauthendey: „Nacht vor dem Haus“

    Der unstete Weltenbürger aus Würzburg erfuhr auf einer Schiffspassage nach Java vom Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Der Wunsch nach Heimkehr zu seiner Frau erfüllte sich nicht. Dieses Gedicht hat seine Sehnsucht bewahrt.
  • Frankfurter Anthologie : Walt Whitman: „Stadt der Orgien“

    Dieses Gedicht von Walt Whitman wurde oft unterschlagen. Wahrscheinlich, weil es einem Zyklus entstammt, in dem sich der amerikanische Nationaldichter offen zu seiner Homosexualität bekannte. Es sind Verse von raumgreifender Sinnlichkeit.
  • Frankfurter Anthologie : John Donne: „Der Floh“

    Ein Mann wirbt um eine Frau. Sie ziert sich. Mit zweideutigen Anspielungen auf den Floh versucht er sie umzustimmen. Selten war die Sprache der Liebe so betörend wie in diesen Versen aus dem 17. Jahrhundert.
  • Frankfurter Anthologie : F. C. Delius: „Paläontologie“

    Fünfzig Jahre nach Veröffentlichung dieses Gedichts ist es Zeit, ein Geheimnis zu lüften: Diese Verse stammen nicht von dem Büchner-Preisträger des Jahres 2011, sondern von - aber lesen Sie selbst.