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Als Marcel Reich-Ranicki vor vier Jahrzehnten die Frankfurter Anthologie begründete, war nicht abzusehen, wie lange dieses Experiment Bestand haben würde. Auch nach vierzig Jahren ist der ewige Vorrat deutscher Poesie keineswegs aufgebraucht. Dennoch ist es an der Zeit für eine Öffnung. So wird sich die Frankfurter Anthologie, die von Oktober 2014 an von Hubert Spiegel betreut wird, künftig der Poesie aus aller Welt widmen: Neben deutschsprachigen Gedichten soll auch fremdsprachige Lyrik behandelt werden, sofern sie in einer angemessenen Übersetzung vorliegt. Die inzwischen annähernd 2000 Gedichte der Frankfurter Anthologie werden auch in einer Buchreihe veröffentlicht.

Frankfurter Anthologie : Ulla Hahn: „Ohne Gepäck“

Heimat ist in der mobilisierten Gesellschaft unstet geworden – so flüchtig, wie die Zärtlichkeit, die wir empfinden, wenn sie in unseren Erinnerungen an uns vorüberzieht.

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  • Frankfurter Anthologie : Carl Zuckmayer: „Morituri“

    Dieses Gedicht handelt vom Zug todgeweihter Soldaten im Ersten Weltkrieg. Unser Autor erlebte es als späte Begegnung mit dem eigenen Großvater, den er nie kennengelernt hat.
  • Frankfurter Anthologie : Johann Caspar Schade: „Ohne Titel“

    Eine frühe Vorform konkreter Poesie: Lange vor Helmut Heißenbüttel und Franz Mon schuf ein Kirchenlieddichter ein Sprachgebilde, das fünf Worte in ein typographisches System zwingt.
  • Frankfurter Anthologie : Charles Baudelaire: „Ohne Titel“

    Er wollte den Ruhm, nicht den Skandal. Doch mit den „Blumen des Bösen“ wurde er zum Inbegriff des Poète maudit, des verfemten Dichters. Dieses Gedicht zeigt ihn von der ungewohnten Seite des Idyllikers – und führt doch ins Zentrum seines Werks.
  • Frankfurter Anthologie : Joseph Beuys: „Ohne Titel“

    Es geht auch ohne Filz: Dieses Gedicht entstand in den vierziger Jahren, inmitten des Krieges und bevor sein Verfasser zum Avantgarde-Künstler wurde. In zarten Wendungen spricht es von den Geheimnissen des Lebens und des Todes.
  • Frankfurter Anthologie : Franz Mon: „worttaktik“

    Dieser Lyriker ist ein Sprachspieler und Verskonstrukteur, der die Worte abklopft und anritzt, als wären es Fruchthülsen. Sein Gedicht zeigt: Lesen heißt Fragen stellen.