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Frank Schätzings neuer Roman : Sein Sprung in den Nahost-Konflikt

Die Welt sieht sie nicht

Die Vermarktung wird in den nächsten Wochen generalstabsmäßig erfolgen, mit dem Höhepunkt von sechs abendlichen Auftritten en suite auf der lit.Cologne. Auf diesem Kölner Literaturfestival, dem er seit dessen Gründung eng verbunden ist, wird Schätzing erstmals eine von ihm selbst erstellte Klangcollage vorstellen, die im Herbst den dramaturgischen Rahmen für eine ausgedehnte Tournee durch große deutsche Hallen bilden wird: eine Ein-Mann-Show, die nichts mit dem geläufigen Verständnis von Lesungen gemein hat. Es ist wie schon bei den „Limit“-Auftritten, die mit Filmeinspielungen arbeiteten, eine Multimedia-Show. Schätzing hat auch hier die Unterhaltungserwartung seines jeden Abend nach Tausenden zählenden Publikums im Auge.

Auch sie werden in Afghanistan empfangen, und sie werden den Sprung erleben, der das Buch prägt. Dann werden sie mit Tom Hagen und einer bärenstarken und riesengroßen Agentin des israelischen Inlandsgeheimdienstes Schin Bet durch die Altstadt von Nablus jagen - und jenen Moment erleben, wo die Erzählung plötzlich abbremst, weil Hagen auffällt, was in dieser Stadt voller touristischen Sensationen so anders ist als in allen anderen Städten: „Keine Geschäfte, keine Banken, keine Cafés. Und wo nichts dergleichen ist, haben Einheimische wenig Grund, sich herumzutreiben. Altstadt hin oder her, was sollen sie in ihrem eigenen Museum? Die meisten hier dürften nichts sehnlicher wünschen, als dass die Welt ihre Stadt mit anderen Augen sieht, doch das Problem ist, die Welt sieht sie gar nicht.“

So hat es Schätzing 2012 natürlich selbst bei seinem Besuch in Nablus erlebt, so hat er es von seinen dortigen Gesprächspartnern gehört. Nun zeigt er uns diesen Ort mit seinem Buch. Was er damals erlebt hat, wie freundlich er von Israelis wie Palästinensern aufgenommen wurde, gerade auch als Deutscher, das lässt ihn immer noch nicht los. „Es gab dann Momente beim Schreiben, die haben mich betroffen gemacht.“

So hat „Breaking News“ ihn zwei Jahre lang bei der Arbeit daran beschäftigt, und so wird der Rummel um das Buch ihn dieses ganze Jahr noch beschäftigen, ehe er sich dann zwei, drei Buchplänen widmen kann, die seit Jahren in seiner Schublade liegen und auf literarische Umsetzung warten: „Ideen sind wie Fassadenschimmel, sie schlagen immer wieder durch.“ Dabei könnte dann eine abermalige Flucht herauskommen, diesmal vor der Komplexität des Nahost-Themas und der zeithistorischen Verankerung, die „Breaking News“ mit sich brachte: „Nach alldem ist mein Bedürfnis, im nächsten Buch wieder eher Schablonenbilder meiner Helden zu zeichnen, groß.“

Doch zunächst ist für das Jahr 2015 etwas ganz anderes vorgesehen: Wenn das Schreiben am neuen Buch zu mühselig wurde, hat Frank Schätzing seine Gitarre zur Hand genommen und Lieder komponiert, rund vierzig Stück. Die will er nun einspielen und dann auch einmal als Musiker auf Tournee gehen. „Wobei ich den literarischen Erfolg nicht musikalisch wiederholen will. Wenn zwanzig Leute zu den Konzerten kommen, ist das gut, wenn es dreißig werden, freue ich mich, und wenn gar keiner kommen sollte, hat es wenigstens vorher Spaß gemacht. Beim Schreiben von ,Breaking News‘ dagegen war ich bisweilen nicht mehr Teil dieser Welt.“ Das wird sich in den kommenden Wochen drastisch ändern.

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