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Frank Schätzings neuer Roman : Sein Sprung in den Nahost-Konflikt

Daher stammt der Titel „Breaking News“, Eilmeldung. „Ein paar Monate lang dachte ich, dass es ein Medienthriller würde, mit Israel als Hintergrundrauschen.“ Dann aber wurde aus der Geschichte etwas ganz anderes. Kein Medien-, sondern ein Politthriller. Er spielt im Jahr 2011 und hat seinen Höhepunkt am 9. November. Das ist seit der Reichspogromnacht von 1938 ein markantes Datum für die deutsch-jüdische Geschichte, und im Buch ist es ausgerechnet ein deutscher Reporter, Tom Hagen, der einer großen israelischen Verschwörung auf die Spur kommt.

Zwei Teile, zwei Geschichten, zwei Stile

Doch Frank Schätzing streitet jede tiefere Absicht bei der Datumswahl ab: „Ich musste meinen Tom Hagen ja erst mal durch die Hölle schicken, es beginnt ja in Afghanistan.“ In der Tat, das ist der große Anlauf zur Geschichte, achtzig Seiten, ein kleiner Roman für sich, in dem Schätzing alle Register der Spannungsdramaturgie zieht und den tiefen Sturz seines Reporters schildert. Und damit die Leser erst einmal auf eine falsche Spur setzt. Dann springt der Roman: erst achtzig Jahre zurück und nach Israel und dann wieder drei Jahre voraus und nach Libyen, wo sich Hagen in seinem Beruf rehabilitieren will. „Stattdessen erlebt er den ultimativen Moment des Scheiterns, am Tag, als Gaddafi stirbt. Und von diesem 20. Oktober 2011 aus ergab sich der zwingende Zeitverlauf der weiteren Handlung bis zum 9. November.“ Wobei Schätzing doch lächelt: „Es war also Zufall. Wenn wir aber die Existenz höherer Mächte akzeptieren wollten, könnte man sagen, sie haben durch mich gesprochen.“

Als Thriller ist das Buch so spannend, wie man es bei Schätzing schätzt. Und auch die beiläufige Vermittlung von Fakten ist aus seinen alten Romanen vertraut. Doch diesmal teilt der Schriftsteller sein Buch: Eine Hälfte der Handlung folgt Tom Hagens Schicksal, die andere dem von drei Freunden, die als Kinder von jüdischen Pionieren 1928 in Palästina geboren werden. Diese zweite Hälfte ergibt einen veritablen Familienroman über vier Generationen. Zwischen den beiden Teilen wechselt Schätzing konsequent ab, und in beiden erzählt er streng chronologisch: von Hagens Rehabilitationsversuchen nach dem desaströsen afghanischen Sommer 2008 und von den Bemühungen jener drei jüdischen Freunde um ihre Heimat, die seit 1948 der Staat Israel ist. Im November 2011 treffen diese beiden Handlungsstränge dann zusammen.

Erzählerisch unterscheiden sich beide Teile zunächst gravierend: „Die aktuellen Ereignisse, das ist vom Stil her ,Bourne Identity‘, die historische Komponente zu Beginn eher Amos Oz.“ Damit greift Frank Schätzung hoch. Natürlich hat er die einschlägigen israelischen Autoren, die die Gründung ihres Staates und dessen Entwicklung zu ihrem Thema gemacht haben, gelesen: neben Oz auch David Grossman, Meir Shalev oder Yoram Kaniuk. Doch Schätzing gibt den anfangs sehr literarischen Ton seiner historischen Passagen umso konsequenter auf, je näher sich die beiden Handlungsfäden auf-einander zubewegen. „Ich wollte ja kein grundlegend zweigeteiltes Buch schreiben, deshalb mussten sich auch die Schreibstile annähern. Das ist erreicht, wenn Tom Hagen mit den Folgen meiner israelischen Familiengeschichte konfrontiert wird.“ Kompositorisch ist das sehr geschickt, stilistisch dagegen angesichts des starken Beginns beim zweiten Erzählstrang recht teuer bezahlt.

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