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Fragen Sie Reich-Ranicki : Stimmt es, was die „Bild“-Zeitung schreibt?

  • Aktualisiert am

Marcel Reich-Ranicki mit Schauspieler Matthias Schweighöfer Bild: dpa

Was taugen die Novellen Heinrich Manns? In welchem Buch ging es um die Wollust? Antworten von Marcel Reich-Ranicki. Außerdem: Warum bei der „Bild“-Zeitung „abscheuliche Schlampen und Schlamper“ arbeiten.

          In der „Bild“-Zeitung vom 4. Oktober heißt es:

          1) Freitag (6. Oktober) „zeigt das ZDF eine Dokumentation über den großen Literaturkritiker“.

          2) „Reich-Ranicki enttäuscht vom Film über sein Leben.“

          3) „Eine Schlüsselszene ist Reich-Ranickis zweiwöchige Haft in einer Einzelzelle in Polen.“

          4) „Enttäuschung über die Äußerungen mancher Weggefährten in dem Film ist ihm anzumerken. Sein Mitstreiter Hellmuth Karasek zum Beispiel habe schon viel Interessanteres über ihn gesagt.“

          Stimmen diese Behauptungen der „Bild“-Zeitung? Herbert Steineck, Neustadt

          Reich-Ranicki: Nein, keine einzige. Denn:

          1) Die beinahe zweistündige Dokumentation über „den großen Kritiker“ zeigt das ZDF erst am 13. Oktober.

          2) Ich bin überhaupt nicht enttäuscht vom Film über mein Leben, vielmehr bin ich sehr beeindruckt. Irritiert haben mich nur zwei Sequenzen (von 105 Minuten alles in allem drei Minuten), sie werden korrigiert.

          3) Meine zweiwöchige Haft in einer Einzelzelle in Polen, angeblich eine „Schlüsselszene“, kommt in dem Film überhaupt nicht vor.

          4) Keine einzige Äußerung meiner Weggefährten hat mich enttäuscht, schon gar nicht die meines zuverlässigsten Freundes Karasek. Aber ich habe bedauert, daß von ihm nur wenig über mich zu hören war, allerdings aus gutem Grund. Er hat in früheren Filmen viel über mich gesagt. Diesmal wollte man andere Kollegen zu Wort kommen lassen, beispielsweise Dieter Wellershoff.

          Alles in allem: Der Film „Ich, Reich-Ranicki“ von Lutz Hachmeister und Gert Scobel ist hervorragend, und die Kolleginnen und Kollegen von der „Bild“ sind abscheuliche Schlampen und Schlamper. Aber da ich auch schon mal, glaube ich, ein bißchen gesündigt habe, will ich keinen Stein werfen.

          Ich weiß nichts von dem Buch als eine Bemerkung von Reich-Ranicki vor vielen Jahren im „Literarischen Quartett“, die etwa so lautete: „Er versuchte ihr (wohl das ganze Buch über) die Wollust beizubringen.“ Welches Buch wurde da besprochen? Herbert Twelker, Wuppertal

          Reich-Ranicki: Es handelt sich sehr wahrscheinlich um das Buch „Unschuld“ des amerikanischen Schriftstellers Harold Brodkey, in deutscher Übersetzung im Rowohlt-Verlag, Reinbek, erschienen.

          Ich möchte wissen, was Sie von der heutigen Jugend und der Literatur, die sie liest, halten. Glauben Sie, die Jugend liest heute weniger als früher? Maria Pousiné

          Reich-Ranicki: Schlagen Sie im „Brockhaus“ nach, wie alt ich bin. Dann werden Sie begreifen, daß Sie Ihre Frage an die falsche Adresse gerichtet haben.

          Ich habe neulich die dreibändige Ausgabe der Novellen von Heinrich Mann gekauft. Wie bewerten Sie diese literarisch? Heinz-Uwe Schoofs, Oberursel

          Reich-Ranicki: Sehr skeptisch. Die Novellen, an die ich mich erinnern kann, sind „Gretchen“, „Der Gläubiger“ und eine, „Liebesgeschichte“ betitelt. Aber lesen Sie lieber die Novellen von Thomas Mann.

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