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Fragen Sie Reich-Ranicki : Die Sache mit dem Nobelpreis

  • Aktualisiert am

Philip Roth Bild: ASSOCIATED PRESS

Hat eigentlich Philip Roth nicht den Nobelpreis verdient? Marcel Reich-Ranicki über würdige Kandidaten, unwürdige Entscheidungen, aussichtslose Empfehlungen und den Amerikaner, der den Kafka-Preis nicht entgegennehmen wollte.

          Philip Roth ist schon seit vielen Jahren mit seinen Romanen sowohl in Amerika als auch in Europa sehr erfolgreich. Ist nicht die Zeit gekommen, ihn mit dem Nobelpreis für Literatur zu ehren?
          John Lieblich, Dortmund

          Marcel Reich-Ranicki: Immer wieder werde ich gefragt, ob dieser oder jener Autor nicht den Nobelpreis verdient habe. Ich finde solche Fragen ärgerlich, weil sie zu nichts führen. Weder kann meine zustimmende Antwort die gewünschte Nobelpreisverleihung zur Folge haben, noch die ablehnende Antwort den eventuell geplanten Nobelpreis verhindern.

          Ich schätze Philip Roth außerordentlich und habe den Preis für ihn schon mehrfach mit vielen schönen Worten beantragt und damit nichts erreicht. Seit einigen Jahren gehöre ich der Jury des Internationalen Kafka-Preises in Prag an. Ich habe mir Mühe gegeben, diesen Preis Roth zu verleihen. Dies ist denn auch geschehen. Roth hat den Preis erhalten, er hat ihn angenommen, ist aber zur Preisverleihung nicht gekommen. Wenn ich mich recht entsinne, hat er mitgeteilt, man solle den Preis in der amerikanischen Botschaft in Prag abliefern. Na ja . . .

          Auch John Updike bewundere ich seit vielen Jahren, auch für ihn habe ich die Trommel kräftig gerührt. Ergebnis: Null.

          Die Guten gehen immer wieder leer aus

          Ich glaube, die Stockholmer Juroren wünschen nicht, dass man ihnen Ratschläge erteilt. Im Abstand von jeweils einigen Jahren erhält den Nobelpreis für Literatur ein Autor oder eine Autorin von entwaffnender Minderwertigkeit. Die ganze Welt ist empört - und das Leben geht weiter. Das soll heißen: Die guten Schriftsteller gehen immer wieder leer aus.

          Übrigens: In diesen Tagen ist ein Buch über Updike erschienen, nicht etwa (wie heute oft üblich) ein umfangreiches und schwer lesbares Werk, sondern ein Band von alles in allem 158 Seiten, so unterhaltsam, wie unsere Romane sein sollten. Der Autor ist der Kritiker Volker Hage, dessen Buchbesprechungen, meist im „Spiegel“, einen großen Vorzug haben: Man weiß immer genau, was er sagen will.

          Vor zwanzig oder dreißig Jahren ging ich mit einem vorzüglichen schwedischen Journalisten in Stockholm spazieren. Da unser Gespräch etwas langweilig wurde, fragte ich ihn, wer wohl den nächsten Nobelpreis für Literatur bekommen werde. Da müsse ich mich, meinte er, in Deutschland erkundigen. Denn in Schweden interessiere das niemanden.

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