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Fernsehinterview : Grass: „Ich war mir keiner Schuld bewußt“

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Grass als Gast in „Wickerts Bücher” Bild: NDR/Jörg Grönitz

Warum er erst jetzt seine Zeit bei der Waffen-SS einräumte, vermag Günter Grass nicht genau zu sagen. Er habe geglaubt, so Grass im Fernsehinterview, „daß das ausreicht“, was er später als Schriftsteller und Bürger getan habe.

          Der wegen des späten Eingeständnisses seiner Waffen-SS-Zugehörigkeit umstrittene Schriftsteller Günter Grass hat sich in einem ARD-Interview ausführlicher zu seinem langen Schweigen geäußert. Im Gespräch mit Moderator Ulrich Wickert für die neue Sendung „Wickerts Bücher“, die am Donnerstag abend (22.45 Uhr) ausgestrahlt werden soll, sagte Grass, die Gründe für sein Verhalten könne er auch nicht genau nennen. Er sei sich auch keiner Schuld bewußt gewesen: „Ich bin zur Waffen-SS gezogen worden, war an keinem Verbrechen beteiligt, hatte aber immer das Bedürfnis, eines Tages darüber in einem größeren Zusammenhang zu berichten.“ Dieser habe sich erst jetzt beim Schreiben seiner Jugend-Autobiografie ergeben.

          Zudem sei er der Meinung gewesen, „daß das, was ich tat, als Schriftsteller, als Bürger dieses Landes, was all das Gegenteil dessen bedeutet, was mich in meinen jungen Jahren während der Nazi-Zeit geprägt hat, daß das ausreicht“. Das Thema Waffen-SS spiele in seinem Buch zwar eine Rolle, „die weit kritischeren Fragen“ stelle er sich jedoch „in einem ganz anderen Zusammenhang. Daß ich zum Beispiel in meiner Verblendung als Jungvolk-Hitlerjunge zu bestimmten Situationen im engeren Kreis, auch zum Beispiel im Familienkreis, (...) nicht die richtigen Fragen gestellt habe.“

          Zur Frage einer möglichen Aberkennung der Danziger Ehrenbürgerwürde, wie sie Polens früherer Präsident und Friedens-Nobelpreisträger Lech Walesa verlangt hatte, sagte Grass, er sehe von sich aus „keinen Grund, diese Ehre zurückzuweisen“. Sollte die Stadt Danzig sich jedoch dazu entschließen, würde er die Entscheidung akzeptieren.

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