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Feminismus : Die Angst in den Augen der Frauen

  • -Aktualisiert am

Macht Karriere zufriedener als Hauswirtschaft? Bild: plainpicture/Lubitz + Dorner

Sie nennen es Emanzipation – doch es ist nur die Verwandlung der Frauen in Karrieremonster. Laurie Penny, die britische Feministin, will da nicht mehr mitmachen.

          Eine Bäcker-Kette, die Milchkaffees und Sandwiches verkauft, kleidet ihre Mitarbeiter in orangefarbene Schürzen, und an jedem Wochentag sehe ich am Bahnhof Friedrichstraße eine blasse, blonde Frau mit immer gereizt trockener Haut in einer orangefarbenen Schürze Milchkaffee in orangefarbene Becher füllen, Sandwiches in orangefarbene Tüten verpacken und dabei lächeln.

          Sie lächelt und findet jedes Mal freundliche Worte, was mir, einer Mittelstandsfrau mit einem Job, den ich mir, natürlich ausgehend von der Frage, was ich will, was mir Spaß macht, ausgesucht habe, ein vollkommenes Rätsel ist. Woher nimmt diese Frau die Kraft zu lächeln? Wofür lächelt sie und für wen und für wie viel Geld? Fragt sie sich, was sie eigentlich will, oder hat sie dafür nicht die Zeit und das Geld? Ist es anmaßendes Steady-Improvement-Denken, zu glauben, dass diese Frau etwas anderes wollen sollte?

          Körper, Sex, Urlaub: alles ist Arbeit

          Obwohl ich seit jeher in die Lage versetzt war, mich fragen zu dürfen, was ich eigentlich will, kann ich nicht mit Sicherheit sagen, dass ich zufriedener wäre als jene Frau. Zum einen, weil ich nicht weiß, wie zufrieden sie ist. Zum anderen, weil mir die Ordnung, dem ein Leben in meinem sozialen Milieu folgt, weiterhin ein vollkommenes Rätsel ist. Damit meine ich: arbeiten, das heißt: die meiste Zeit arbeiten und das eigene Leben um die Arbeit herum organisieren. Geld bekommen, Geld ausgeben, das Geld zur Belohnung in die Pflege des eigenen Körpers, in ansehnliche Kleidung, in Schönheits-Kapital, in kulturelles Kapital investieren und noch mehr arbeiten, um das ausgegebene Geld (meistens zu viel) wieder zu erwirtschaften. Alles ist Arbeit, was daran liegt, das alles ökonomischen Kriterien unterworfen ist. Der Körper, der Sex, die Liebe, die Wohnung, der Job, der Urlaub.

          Jene relative Unzufriedenheit und Erschöpfung junger Frauen und Männer aus Westeuropa und Amerika, die eigentlich alles haben können (Bildung, die Aussicht auf einen inzwischen nicht mehr so sicheren Job, eine Ehe, Kinder) ist es, die die englische Feministin Laurie Penny in ihrem neuen Buch „Unsagbare Dinge. Sex, Lügen und Revolution“ beschreibt und nach deren Ursachen sucht. Sie findet sie in der Verfasstheit der „neoliberalen“ Ordnung, einer Ordnung, die nach den Gesetzen des Marktes funktioniert und die Männern beibringt, Macht zu wollen, und Frauen die Gefallsucht lehrt, sie findet sie in den genderspezifischen Rollenangeboten.

          Laurie Penny

          Penny will diese Ordnung zerstören, und es gehört zu den Charakteristika eben dieser Ordnung, dass auch die radikalste Kritik an ihr erlaubt ist (Pennys Buch wird bejubelt, im „Spiegel“, in der „Zeit“ und hier), dass man sie sich entspannt und wohlwollend anhört und dass jene Kritik schließlich verschlungen wird, um dem System dabei zu helfen, sich zu verbessern. Und genauso macht- und letztlich folgenlos wird dieser Text sein, wenn er sagt, dass das Buch von Laurie Penny zu den gegenwärtig wichtigsten gehört und dass es jeder junge Mensch aus Amerika und Westeuropa lesen sollte, damit er anfängt sich Gedanken darüber zu machen, wie eine Revolution aussehen könnte (wofür er wahrscheinlich zu erschöpft und zu gut versorgt ist).

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