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Feminismus : Die Angst in den Augen der Frauen

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Die Karrierefrau ist das neue Ideal

Laurie Penny schreibt: „Eine der grausamsten Streiche, die man der Generation meiner Mutter spielte, war wohl die Mär, dass das Recht, jeden schlecht bezahlten Knochenjob zu übernehmen, den sonst Männer verrichten, die einzige und ultimative Errungenschaft der Frauenbewegung sei.“ Und ja, die meisten Männer führen kein besonders angenehmes Leben, warum also sollte man als Frau scharf darauf sein, es genau so zu machen, könnte man sich fragen, wäre da nicht die hierzulande absolut elitär geführte Frauen-in-Vorstände-gläserne-Decken-Diskussion in großen deutschen Zeitungen und Magazinen. Es geht in dieser Diskussion um die Anliegen deutscher (und wenn es um die Kind-Karriere-Sache geht, vorwiegend heterosexueller) Mittelstandsfrauen, die fordern, an der Macht beteiligt zu werden und sie behalten zu dürfen, auch wenn sie Kinder bekommen. Es liegt in der Natur der Sache, dass es diese Mittelstandsfrauen sind, für deren Rechte gekämpft wird; denn sie sind es auch, die die Artikel, Radio-Beiträge und Fernsehbeiträge produzieren, die Kampagnen machen oder Netzwerke gründen. Sie sind es, die in Deutschland reden dürfen, weil sie über den Status und die Techniken verfügen, die dazu nötig sind. Arme, Nicht-Akademiker und Dicke trifft man auch einfach nicht so oft in Redaktionen.

„Feminismus, der sich verkauft, ist ein Feminismus, der so gut wie allen gefällt und niemandem weh tut, ein Feminismus, der beruhigt, der sich an die Mittelschicht richtet und für sie spricht, der auf sozialen Aufstieg ausgerichtet ist, der von Schulen, Shopping und zuckerfreien Snacks faselt und sich nicht etwa mit armen Frauen, queeren Frauen, hässlichen Frauen, transsexuellen Frauen, Sexarbeiterinnen, alleinstehenden Müttern oder anderen befasst, die nicht ins Schema passen.“ Und auch wenn die am vorvergangenen Freitag für etwa hundert börsennotierte Unternehmen beschlossene Quote eine Signalwirkung haben soll, wie man immer wieder hört, und auch wenn es Frauen gibt, die es traumhaft fänden, endlich ein Boss zu sein – die „neoliberale“ Ordnung, die Ordnung also, die dem Markt gehorcht, wird dadurch nicht hinterfragt, sie wird modifiziert, sie wird bestätigt. Die perfekte Frau, die sich innerhalb jener Ordnung bewegt, ist selbstverständlich in einer leitenden Position, sie hat Kinder, sie ist schlank, sie ist gesund, sie ist eine Heldin. Sie ist eine moderne Ikone.

Das perfide Märchen über die Karrieretraumfrau

„Die ,Karrierefrau‘ ist allerorten das neue Idealbild für junge Mädchen: Sie ist der wandelnde Vorzeigelebenslauf, sie wertet mit Make-up und Schönheitsoperationen ihr ,erotisches Kapital‘ auf, um ihr Einkommen oder das ihres Chefs zu maximieren. Sie ist immer schön, ausnahmslos weiß und fast völlig fiktional. Dennoch hat ihre Freiheit Vorfahrt, denn rund um den Erdball kürzen die Staaten Leistungen und Hilfen für arme Frauen und setzen alles daran, ,mehr Frauen in die Vorstände‘ zu bekommen.“ Penny will einen anderen Feminismus. Einen Feminismus, der sich nicht ausschließlich für das Idealbild der Karrieretraumfrau einsetzt, ein Feminismus für Homosexuelle, Hässliche, Arme, Schwarze, Männer.

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