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Buchtroll : All the words! All the pages!

  • -Aktualisiert am

Da lächelt er noch: David Cameron auf dem (echten) Cover seines Buches. Bild: EPA

Leider ziemlich lustig: In Londoner Buchläden tauchten Exemplare von David Camerons Buch „For the Record“ mit veränderten Covern auf.

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          Trollereien mit Büchern haben eine durchaus ehrenwerte Tradition, gerade im Vereinigten Königreich. Der englische Autor Joe Orton und sein Lebensgefährte Kenneth Halliwell etwa, um ein prominenteres Beispiel zu nennen, nutzten Phasen der Karriereflaute, um sich Bücher aus der Bibliothek auszuleihen und die Cover systematisch zu, nunja, verschönern. Drei Jahre ging das gut, im Jahre 1962 wurden sie wegen Diebstahls und „malicious damage“ zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Immerhin: Die Zeit im Gefängnis tat Ortons schwächelnder Kreativität durchaus gut, seine Buchcover sind heute im Museum zu sehen.

          Entsprechend muss man einordnen, was dem Buch des ehemaligen Premiers und Brexit-Verursachers David Cameron in der Londoner Innenstadt widerfuhr. Entdeckt hat die Sache ein Mann namens Alex Bray, der in seiner Mittagspause nichtsahnend durch einen Buchladen flanierte, seinen Augen nicht traute und den „malicious damage“ sogleich abfotografierte. Auf Twitter verbreitete sich der Umschlag mit dem verkniffen schauenden Ex-Premier in Windeseile.

          Wer immer der unbekannte Guerilla-Buchgestalter ist, er hat seine Sache mit sehr viel Liebe zum Detail erledigt. Der Blurb auf dem Cover von Donald Trump verspricht ein großartiges Buch mit „all the words. All the pages“, was sehr großzügig ist, wenn man bedenkt, dass von dem Präsidenten der Vereinigten Staaten das Zitat „I know words. I have the best words“ überliefert ist.

          Um den Rest der ziemlich anspielungsreichen Texte zu dechiffrieren, braucht es ein wenig Kenntnis. Dass Tiere ihn fürchten, wie es auf der Umschlagrückseite heißt, geht auf den berüchtigten Skandal zurück, der unter dem Namen #piggate Furore machte und angeblich auf ein Initiationsritual in Oxford zurückgeht. Dazu gibt es eine Menge Urinwitze, die auf Camerons „full bladder technique“ zurückgehen, seine „Technik der vollen Blase“, mit der er angeblich viel fokussierter sprechen und verhandeln kann. Sechs Stunden in Brüssel stand er nachgewiesenermaßen auf diese Weise durch, die Ergebnisse, nunja, sprechen wohl für sich.

          „This isn't so much a book as a blueprint of how to completely destroy a country", fasst der Joe Orton des zwanzigsten Jahrhunderts zusammen. Außerdem ein Zeugnis für einen deutlich rustikaleren Umgang mit Politik, wie er in England üblich ist. Natürlich wird nun gemutmaßt, wer der Troll sein könnte. Der Hauptverdächtige: Die Gruppe „Led by Donkeys“, die mit satirischen Plakataktionen vor allem Pro-Brexit-Politiker aufs Korn nimmt.

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