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Preis für Esther Kinsky : Italienisches Gelände, sowjetisches Jahrhundert, ukrainischer Roman

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Überrascht: Der Übersetzer Juri Durkot und die Übersetzerin Sabine Stöhr werden auf der Buchmesse mit dem Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Übersetzung ausgezeichnet. Bild: dpa

Esther Kinskys „Hain. Geländeroman“ bekommt den Preis der Leipziger Buchmesse für Belletristik. „Das sowjetische Jahrhundert“ von Karl Schlögel wurde als bestes Sachbuch des Frühjahrs ausgezeichnet. Sabine Stöhr und Juri Durkot teilen sich den Preis für ihre Übersetzung aus dem Ukrainischen.

          Den mit 15.000 Euro dotierten Preis der Leipziger Buchmesse für das beste erzählerische Werk erhält Esther Kinsky. Kinsky erzählt in „Hain. Geländeroman“ (Suhrkamp Verlag) von drei italienischen Reisen einer Ich-Erzählerin abseits der touristischen Pfade. Landschaftsmeditation, Kindheitserinnerungen und Trauer kommen zusammen. Die Jury urteilte: „Stille, fast übersinnlich präzise Beobachtungen, die ihre Tiefe ganz aus der Versenkung in die Oberfläche gewinnen.“

          Die Jury nominierte in der Kategorie Belletristik daneben auch das Erstlingswerk „Wie hoch die Wasser steigen“ von Anja Kampmann. Zudem steht mit „Die Grüne Grenze“ von der Amerikanerin Isabel Fargo Cole ein politischer Roman über das Leben am Rande der DDR auf der am Donnerstag veröffentlichten Shortlist. Ins Rennen um den renommierten Buchpreis in der Kategorie Belletristik gehen außerdem Esther Kinsky mit „Hain. Geländeroman“, Georg Klein mit „Miakro“ sowie Matthias Senkel mit „Dunkle Zahlen“.

          Karl Schlögel erhält den Preis für Sachbuch / Essayistik für sein Buch „Das sowjetische Jahrhundert. Archäologie einer untergegangenen Welt“).  „Karl Schlögel, der sein ganzes Leben in engem Kontakt mit Russland und der Sowjetunion verbracht hat, legt hier eine fesselnde Physiognomik dieses untergegangenen Reichs vor, von dessen herrlich knisterndem
          Packpapier bis zur eisigen Hölle in den sibirischen Lagern“, so die Jury.

          Der Autor Karl Schlögel wird auf der Buchmesse mit dem Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Sachbuch ausgezeichnet.

          Zu den Nominierten in dieser Kategorie zählten auch Martin Geck für sein Werk „Beethoven. Der Schöpfer und sein Universum“ und Gerd Koenen mit „Die Farbe Rot. Ursprünge und Geschichte des Kommunismus“. Auch Andreas Reckwitz („Die Gesellschaft der Singularitäten. Zum Strukturwandel der Moderne“), Bernd Roeck („Der Morgen der Welt. Geschichte der Renaissance“) und  waren auf der Shortlist.

          Den Preis der Leipziger Buchmesse für Übersetzung bekommen Sabine Stöhr und Juri Durkot für ihre Übersetzung des Werks „Internat“ von Serhij Zhadan aus dem Ukrainischen.  Der Hintergrund von Zhadans Werk ist der Konflikt zwischen der ukrainischen Regierung und moskautreuen Separatisten im Donbass. „Die Umgebung verroht, aber der Wahrnehmungsapparat des Helden gewinnt an Schärfe und Genauigkeit. Keine billige Drastik, sondern dichte Beschreibungen, die auf Deutsch eine enorme Kraft entfalten. Die Sprache ist Schutzraum und Erkenntnisinstrument in einem“, begründete die Jury ihre Entscheidung.

          In der Kategorie Übersetzung wurde daneben auch Robin Detje nominiert, der das „Buch der Zahlen“ von Joshua Cohen aus dem amerikanischen Englisch übertragen hat. Olga Radetzkaja ging mit ihrer Übertragung des Werks „Sentimentale Reise“ von Viktor Schklowskij aus dem Russischen ins Rennen um den Preis. Ebenfalls nominiert wurden Michael Walter, der die dreibändige Werksausgabe von Laurence Sterne aus dem Englischen übertrug, sowie Ernest Wichner für seine Übersetzung von Catalin Mihuleacs Werk „Oxenberg und Bernstein“ aus dem Rumänischen.

          Der Preis der Leipziger Buchmesse wird in den drei Kategorien Belletristik, Sachbuch/Essayistik und Übersetzung vergeben. Er ist mit insgesamt 60.000 Euro dotiert. Die Preisträger jedes Jahr auf der Leipziger Buchmesse gekürt.

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