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Essay : Zadie Smith: Besser scheitern

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Das klingt hochtrabend. Vielleicht ist es besser, mit der kleinsten Einheit des schriftstellerischen Verrats anzufangen, dem bei Kritikern so beliebten Klischee. Was ist ein Klischee anderes als Sprache, auf uns gekommen, verwendet und inzwischen abgenutzt und überhaupt nicht geeignet für die intimeren Teile der Vision, die man ausdrücken will? Klischees sind eine bequeme Abkürzung, sie bedienen ein allgemein verbreitetes Bild, mit ihnen verwendet man das Gefällige und Vertraute, statt das Wahre und Ungewöhnliche zu riskieren. Wenn Schriftsteller Mängel eingestehen, reden sie meist von Geringfügigkeiten - in jedem meiner Romane „kramt“ jemand in seinem Portemonnaie herum, weil ich aus Bequemlichkeit und Gedankenlosigkeit darauf verzichtet habe, das Wort „Portemonnaie“ von seinem alten beharrlichen Freund „herumkramen“ zu trennen. In einem Portemonnaie herumkramen heißt, etwas automatisch hinschreiben - kein großer Verrat an sich selbst, aber doch ein Verrat.

Persönlich formuliert: ich schreibe genau deswegen, weil ich nicht automatisch durchs Leben gehen will. Zugeben, dass man einen Satz misslungen findet, ist nicht so schwer; schwerer ist es, zu erkennen, dass mancher Schriftsteller ganze Absätze, ganze Figuren, ganze Bücher automatisch herunterschreibt, für die einzig das Wort „unauthentisch“ passt.

7. Haben Schriftsteller Pflichten?

Die ganze Debatte über Authentizität und Verrat unterstellt, dass es Pflichten gibt, die für Autoren und Leser gelten. Es ist sehr unmodern, von einer Verpflichtung der Literatur zu reden, zu fragen, wie diese aussehen könnte, wann wir dieser Pflicht eventuell nicht genügen. Der Begriff Pflicht ist nicht sehr gebräuchlich in der Literatur. Wenn wir heutzutage von Pflicht reden, dann aus der Perspektive des Lesers als Literaturkonsument. Gemeint ist eine Art Verbraucherschutz. Gemeint ist, dass Bücher dem Leser gefallen sollen und dass Schriftsteller dieser Aufgabe gern nachzukommen haben.

Diese Pflicht hat verschiedene Ausprägungen: sich klar ausdrücken, interessant und klug schreiben, keinesfalls bewusst unverständlich sein, beim Schreiben an den durchschnittlichen Leser denken und nicht gegen den guten Geschmack verstoßen. Vor allem aber: unterhalten. Wer dies nicht akzeptiert, muss sich auf eine überschaubare Leserschaft und Verrisse gefasst machen. Romane, die sich am allgemeinen Geschmack orientieren, deren Figuren die bekannte Sprache der Sitcoms sprechen, deren Handlung uns auf vertraute Wege führt, werden immer willkommen sein.

Für literarische Eigenwilligkeiten ist dies keine gute Zeit. Die Leser wollen sich wiedererkennen, und das funktioniert nur, wenn Literatur allgemein, nicht spezifisch ist. Heutzutage muss der Schriftsteller unterhalten und erkennbar sein - alles andere gilt als misslungen und als Missachtung der Leser.

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