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Essay : Zadie Smith: Besser scheitern

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Zurück zu meinem simplen Argument, dass Schriftsteller ein Ich besitzen und dass dieses Ich in seiner Arbeit eine Rolle spielt. Den Professor oder Kritiker braucht das nicht weiter zu interessieren, für den Schriftsteller ist es natürlich sehr wichtig. Der polnische Dichter Adam Zagajewski schreibt über das Ich in seinem gleichnamigen Gedicht:

„Es ist klein und nicht sichtbarer als eine Grille
Im August. Es verkleidet und kostümiert sich gern,
Wie alle Zwerge. Es wohnt zwischen
Granitblöcken, zwischen nützlichen
Wahrheiten. Es passt sogar unter
Eine Bandage, unter Klebeband. Zollbeamte und ihre schönen Hunde werden es nicht entdecken. Es versteckt sich
Zwischen Hymnen, zwischen Bündnissen.“





Für mich ist Schreiben immer der Versuch, dieses unfassbare, vielschichtige Ich aufzudecken, und doch ist die (bei Zagajewski anklingende) Vorstellung, das Ich ließe sich restlos offenbaren, eine Chimäre. Es ist unmöglich, die ganze Wahrheit all unserer Erfahrungen zu vermitteln. Wir wissen nicht einmal, was das bedeuten würde, auch wenn wir hartnäckig glauben, eine Vorstellung davon zu haben, so wie Platon eine Vorstellung von den Formen hatte. Beim Schreiben glauben wir, die Wahrheit zu sagen, können es aber nicht umsetzen. Jeder Schriftsteller fragt sich vielmehr, mit welchen nützlichen Wahrheiten er leben kann, welche Bündnisse belastbar sind.

Die Antworten auf diese Fragen trennen Experimentalisten von so genannten Realisten, Komiker von Tragöden, ja sogar Dichter von Romanciers. In welcher Form, fragt der Schriftsteller, kann ich die Welt, wie ich sie erlebe, am wahrhaftigsten beschreiben? Dies ist der Ausgangspunkt, von dem aus jeder Schriftsteller seine individuellen Kompromisse mit dem Ich schließt, die immer Kompromisse mit der Wahrheit sind, soweit man sie erkennen kann.

Wer ein fertiges Werk ein zweites Mal liest, reagiert daher meist wie Alfred Prufrock: „Nein, so habe ich es nicht gemeint … überhaupt nicht.“ Schreiben ist so etwas wie Selbstverrat, eine Art Scheitern.

6. Unauthentische Literatur

Ein anderer Autor antwortete auf meine Frage nach einer Definition schriftstellerischen Scheiterns:
„Bei einer Lesung in Chennai wurde ich von einem Schüler gefragt: ,Warum ist es Ihnen so wichtig, zu gefallen?' So würde ich Scheitern definieren - sich in seiner Arbeit am Heideggerschen ,Man' auszurichten, jener Allgemeinheit, die einem über die Schulter schaut, und auf diese Weise die eigene Urteilsfähigkeit zu beschneiden - was er (nicht ich) als Authentizität bezeichnen würde.“

Dieser Autor - genau wie ich, wie vermutlich alle, die wir in der Postmoderne heranwuchsen - begegnet dem Begriff Authentizität, und besonders der so genannten „kulturellen Authentizität“, mit Skepsis. Können wir denn authentischer sein, als wir sind? Uns wurde erklärt, dass es nicht auf Authentizität ankomme. Was heißt das nun für uns Schriftsteller, die wir, wenn wir nach den Gründen unseres Scheiterns suchen, dieses starke Gefühl haben, unser innerstes, authentisches Ich verraten zu haben?

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