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Essay : Zadie Smith: Besser scheitern

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Zunächst einmal: Schriftsteller können über die Qualitäten ihrer Bücher nicht viel Verlässliches sagen - die meisten machen sich weiß Gott reichlich Illusionen über ihr Talent. Aber sie wissen andere Dinge als die Professoren oder Kritiker. Gelegentlich lohnt es sich, ihnen zuzuhören. Der Blick des Praktikers ist unvergleichlich. Die Besprechungen aus der Feder von Virginia Woolf oder Iris Murdoch oder Roland Barthes machen das deutlich. Gemeinsam ist diesen sehr unterschiedlichen Kritikern die Selbstverständlichkeit, mit der sie einen Zusammenhang zwischen Persönlichkeit und sprachlichem Ausdruck herstellen.
Sicher, ihre Rezensionen waren nicht strikt biographisch und auch nicht moralisch, und sie lassen sich nicht reduzieren auf kindische Urteile wie „Nur gute Menschen schreiben gute Bücher“ oder „Das Werk eines Menschen versteht nur, wer sein Leben kennt“. Doch die Persönlichkeit des Autors war für sie nicht irrelevant. Sie begriffen den Stil als Ausdruck der Persönlichkeit, im weitesten Sinne. Die Persönlichkeit eines Schriftstellers ist seine Art, sich zur Welt zu verhalten, sein Stil der notwendige Ausdruck dessen. So verstanden, ist Stil nicht bloß eine Angelegenheit eigenwilliger Syntax oder der bunte Zuckerguss auf einem schlichten literarischen Kuchen; auch nicht das unbeeinflussbare Ergebnis einer mysteriösen Energie, die sich in der Sprache verbirgt.

Stil ist eine persönliche Notwendigkeit, der einzig mögliche Ausdruck eines individuellen Bewusstseins. Stil ist die Art, wie ein Schriftsteller die Wahrheit sagt. Schriftstellerischer Erfolg oder Misserfolg hängt also nicht nur von sprachlichen Fertigkeiten ab, sondern auch von der Ausbildung des Bewusstseins oder, um mit Aristoteles zu reden, von der Erziehung der Gefühle.

4. Tradition versus individuelles Talent

An dieser Stelle tritt uns T.S. Eliot entgegen, dieser bedeutende Schriftsteller und Literaturkritiker. In seinem berühmten Essay „Tradition and the Individual Talent“ (1919) verwarf er die Vorstellung von einem individuellen Bewusstsein, einer Persönlichkeit in der Literatur. Derlei spiele keine große Rolle und sei nicht interessant.

Für ihn zeigten sich die individuellsten und besten Aspekte schriftstellerischer Arbeit dort, wo seine Vorgänger ihre Unsterblichkeit am stärksten behauptet hatten. Der Dichter und seine Persönlichkeit seien irrelevant, die Dichtung sei alles. Und die Dichtung sei nur zu verstehen durch das Vergrößerungsglas der Literaturgeschichte. Eliots Essay ist in einem so autoritären Gestus geschrieben, dass man ihn selbst dann akzeptiert, wenn die eigenen schriftstellerischen Erfahrungen auf das Gegenteil verweisen. „Dichtung“, sagt Eliot, „ist keine Freisetzung von Gefühl, sondern Flucht vor dem Gefühl. Sie ist nicht der Ausdruck von Persönlichem, sondern eine Flucht vor dem Persönlichem.“ „Die Entwicklung eines Künstlers“, sagt Eliot, „ ist eine unablässige Selbstopferung, ein unablässiges Auslöschen des Persönlichen.“

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