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Erziehung wahrnehmen : „Die Macht der Eltern schützt die Kinder“

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Hand vor den Mund! Einschulung 1967 Bild: F.A.Z. - Lutz Kleinhans

Jugendliche sehnen sich nach Autorität. Sie brauchen die Autorität von Erwachsenen, die ihnen Orientierung und Halt geben. Diese Meinung vertritt Bernhard Bueb, ehemaliger Leiter der renommierten Schule Schloß Salem. Zentrale Thesen aus seiner Streitschrift „Lob der Disziplin“.

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          Väter und Mütter besitzen absolute Macht über ihre Kinder. Mütter heben ihre Kinder gegen deren heftigen Widerstand hoch oder zerren sie weg. Kinder sind im buchstäblichen Sinn ohnmächtig. Eltern sind „Herren über Leben und Tod“. Ein Kind kann tyrannischen Eltern weder physisch noch psychisch standhalten, nicht einmal seine Gedanken sind frei. Von der Macht der Eltern und Erwachsenen über Kinder berichten alte und neue Märchen, „Aschenputtel“ und „Hänsel und Gretel“ ebenso wie „Harry Potter“. Sie erzählen vom Leiden der Kinder, von ihrer Sehnsucht nach Erlösung und davon, wie sie erlöst werden. ...

          Die Macht der Eltern bedeutet aber auch Schutz der Kinder. Wenn eine Mutter ihr Kind ergreift, das gerade über eine belebte Straße laufen will, wirkt sich ihre Macht lebensrettend aus. Täglich nützen Eltern ihre Macht, um Kinder zu erziehen. Kinder fühlen sich geborgen, weil sie ihre Eltern als mächtig erleben. Die Welt birgt in den frühen Jahren reale Gefahren, aber auch irreale, weil Kinder in einem mythischen Bewußtsein leben. Die Macht der Eltern besitzt in den Augen von Kindern übermenschliche Dimensionen, sie kann auch den Fabelwesen, Räubern und Gestalten der Dunkelheit standhalten. Die Macht von Eltern wandelt sich zu Autorität durch die Liebe zu ihren Kindern. Durch Liebe üben sie ihre Macht rechtmäßig aus. ...

          Das Reizwort der Mutter

          Rechtmäßig genutzte Macht, also Autorität, erzeugt keine Angst, sondern schafft Vertrauen. Der Mangel an Autorität führt zu Angst, Unsicherheit und Orientierungslosigkeit. ... Schon kleine Kinder stellen den Führungsanspruch der Eltern in Frage. In der Pubertät bricht dieser Machtkampf erneut offen aus, nachdem einige Jahre zwischen der Trotzphase in frühen Jahren und dem Anspruch auf mehr Autonomie in der Pubertät ruhiger verlaufen sind. Die Pubertierenden interpretieren diese Zeit als die Phase, in der die Eltern schwierig werden, die Eltern sehen das umgekehrt. Die geringe Übereinstimmung der Sichtweisen erschwert die Situation. Die Auseinandersetzung um Macht findet auch außerhalb der Familie statt. Ein neuer Lehrer betritt den Raum einer Mittelstufenklasse zu Beginn des Schuljahres. Die Art seines Auftretens entscheidet über das Machtverhältnis der nächsten Zeit in der Klasse. Der neue Lehrer ist gut beraten, wenn er seine Machtposition gleich am Anfang deutlich markiert.

          Ehemals Leiter der Schule Schloß Salem: Bernhard Bueb
          Ehemals Leiter der Schule Schloß Salem: Bernhard Bueb : Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

          Die Schüler erwarten einen Lehrer, der weiß, was er will, der Konflikte nicht scheut und seinen klaren Führungsanspruch geltend macht. Zugleich erwarten sie einen Lehrer, der deutlich zu erkennen gibt, daß er aus Fürsorge seinen Führungsanspruch erhebt, daß die Liebe zu Jugendlichen das Motiv seines Handelns ist und daß sich dadurch seine Macht zu Autorität wandelt. Er muß aber wissen: Liebe allein genügt nicht. Es ist kein partnerschaftliches Verhältnis. Versäumt er es, sich klar zu positionieren und seine Macht zu etablieren, kann im schlimmsten Fall seine Autorität für das ganze Schuljahr in Frage stehen. Schüler nutzen unbarmherzig Schwächen aus, die sie bei Lehrern entdecken. Noch als Väter und Großväter berichten sie stolz, wie sie Lehrer „fertiggemacht“ hätten.

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