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Elena Ferrantes Identität : Darf man Bestseller-Pseudonyme enttarnen?

  • Aktualisiert am

Bücherstapel auf der Frankfurter Buchmesse Bild: dpa

Jahrelang rätselten die Leser, wer sich hinter dem Pseudonym Elena Ferrante versteckt. Jetzt wurde die Bestsellerautorin enttarnt – nicht zu jedermanns Begeisterung.

          Mit einem Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, der „New York Review of Books“ und der italienischen Wirtschaftszeitung „Il Sole 24 Ore“ hatte der Journalist Claudio Gatti am Wochenende für einen Paukenschlag gesorgt: Elena Ferrante ist in Wahrheit die Übersetzerin Anita Raja. Dafür sprechen Abrechnungen des Verlages, die ihm zugespielt wurden, aber auch biographische Details, die Gatti zusammengetragen hat. Nun ist Anita Raja berühmt – wenn auch unfreiwillig, wie einige betonen.

          Der Verleger Sandro Ferri hat die Enthüllung durch „Il Sole 24 Ore“ scharf kritisiert. Gegenüber „La Repubblica“ äußerte sich Ferri: „Ich finde diesen Journalismus, der in der Privatsphäre herumschnüffelt, ekelhaft. Die Schriftstellerin wurde wie ein Mafiamitglied behandelt. Am Ende untersuchen sie sogar ihre Konten.“ Gatti hatte Grundbucheinträge gesucht und damit bewiesen, dass Raja nach Ferrantes Erfolg teure Wohnungen gekauft habe.

          Bleibt gern im Hintergrund: Anita Raja anlässlich der Verleihung des deutsch-italienischen Übersetzerpreises

          Auf Twitter forderten Leser der Autorin unter dem Hashtag #IAmFerrante, man möge Anita Raja in Frieden lassen. Schließlich sei offensichtlich, dass sie keinen Starrummel wolle, und die Enthüllung ihrer wahren Identität für die Öffentlichkeit völlig überflüssig.

          Laut einem Artikel von Claudio Gatti in „Il Sole 24 Ore“, in dem er Stellung zu den Enthüllungen bezieht, argumentieren Ferri und Ferrante-Fans dabei in zwei Hauptlinien: „Es seien Techniken und Mittel des investigativen Journalismus eingesetzt worden, obwohl das Objekt der Recherche dies überhaupt nicht rechtfertigte. Zudem sei es eine enorme Verletzung der Privatsphäre der Schriftstellerin gewesen.“

          Gatti argumentiert jedoch, dass Ferrante durch ihre Bestseller eine öffentliche Persönlichkeit geworden sei, „ja man kann sie sogar als die bekannteste Italienerin der Welt bezeichnen“, und daher sei seine Recherche gerechtfertigt. Außerdem habe Ferrante mit dem autobiographischen Text „La Frantumaglia“ selbst bereits begonnen, das Geheimnis zu lüften.

          Die italienische Autorin und Journalistin Veronica Tomassini schreibt auf ihrem Blog für „Il Fatto Quotidiano“, dass ihr „der ganze Tanz um den Namen Elena Ferrante anfängt, gehörig auf die Nerven zu gehen“. Ferrante werde zum Opfer gemacht, Gatti zum schlimmsten Verbrecher. Dabei habe er „nur seinen Job gemacht“ und alle anderen Journalisten von der F.A.Z. bis hin zur „New York Review of Books“ hätten seine Recherchen übernommen. Die Entrüstung der Fans in den sozialen Medien sei surreal.

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