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Suhrkamp : Ein Prozess, der kein Ende findet

Suhrkamp-Miteigentümer Hans Barlach Bild: dpa

Teilerfolg für Hans Barlach: Der Bundesgerichtshof verweist die Entscheidung im Suhrkamp-Prozess an die erste Instanz zurück. Über den Insolvenzplan des Verlags ist damit immer noch nicht entschieden.

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          Der Suhrkamp Verlag ist mit seinem nicht enden wollenden Gesellschafterstreit drauf und dran, dem längsten Prozess der Literaturgeschichte den Rang abzulaufen. Von diesem erzählt Charles Dickens in dem Roman „Bleak House“. Dort wird der Prozess „Jarndyce vs. Jarndyce“ schon so lange ausgefochten, dass niemand mehr weiß, was einst der Auslöser war. Die Ursache für den Suhrkamp-Streit ist dagegen präsent: Das Verhältnis der beiden Gesellschafter, der Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz, die über 61 Prozent an Suhrkamp verfügt, und des Hamburger Medienunternehmens Hans Barlach (39 Prozent), ist zerrüttet; da hilft kein Mediator und kein Porzellankleber, zu viel Geschirr wurde zerschlagen.

          Sandra Kegel
          Verantwortliche Redakteurin für das Feuilleton.

          Der Streit, der mittels zahlreicher Prozesse ausgetragen wird, entzündet sich im juristischen Kern immer wieder an der Frage, ob die Umwandlung Suhrkamps in eine Aktiengesellschaft zulässig ist oder damit Barlachs Rechte unzulässig beschnitten werden; er selbst spricht von Enteignung. Unbestritten ist, dass der Verlag mit Mitteln des Insolvenzrechts ein gesellschaftsrechtliches Problem zu lösen versucht. Nicht zuletzt über die Zulässigkeit dieser Idee erhoffte man sich Auskunft vom Bundesgerichtshof.

          Die zentrale Frage bleibt ungelöst

          Hatte es zuletzt so ausgesehen, als sei der Sanierungsplan und also die Umwandlung in eine Suhrkamp AG quasi unter Dach und Fach, so hat Karlsruhe das Spiel wieder neu eröffnet. Zwei Beschlüsse des Landgerichts Berlin haben die BGH-Richter aus formalen Gründen aufgehoben und an die untere Instanz zurückverwiesen. Dort sei „nunmehr umfassend über die Zulässigkeit und Begründetheit der sofortigen Beschwerde der Medienholding zu befinden“, so der BGH.

          Über die zentrale Frage, ob Barlach durch die Planinsolvenz bei Suhrkamp schlechter gestellt ist, als er es in einer klassischen Insolvenz gewesen wäre, darüber hat bislang kein Gericht, weder in Berlin noch in Karlsruhe, inhaltlich entschieden, sondern immer nur formal. Nun ist Berlin auferlegt, diese Frage inhaltlich prüfen.
          Der Insolvenzplan des Verlags behauptet, dass Barlach mit der Planinsolvenz besser dastehe. Ob diese Ansicht vom Berliner Gericht geteilt wird, ist die entscheidende Frage, die über den Einzelfall hinausreicht. Barlach geht nach diesem Etappensieg jedenfalls zuversichtlich in die nächste Runde.

          „Der Beschluss aus Karlsruhe bedeutet Rückenwind für uns“, sagt Carl Ulrich Mayer, der Verwaltungsratspräsident von Barlachs Medienholding. Auch der von Suhrkamp eingesetzte Generalbevollmächtigte Frank Kebekus gibt sich zuversichtlich: Die zeitliche Verzögerung sei zwar ärgerlich, operativ aber laufe alles weiter.
          Fest steht heute nur eines: dass Suhrkamp seine AG-Träume verschieben muss. Eine Entscheidung aus Berlin wird nicht vor Jahresende erwartet. Und sollte das Landgericht den Insolvenzplan zum zweiten Mal genehmigen, kann Barlach aufs Neue Beschwerde in Karlsruhe einlegen. Seine Medienholding kündigte bereits an, sich diesen Schritt vorzubehalten.

          Bei Charles Dickens wurde die Akte „Jarndyce vs. Jarndyce“ übrigens nach Jahren doch noch geschlossen. Nicht mit einem Urteil, sondern weil kein Geld mehr da war, um weiter zu prozessieren. Das zu verteilende Erbe war durch die hohen Anwaltskosten vollständig aufgezehrt.

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