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Roman von Georg Klein : Eight Miles High

  • -Aktualisiert am

Ist das nun ein Ford Mustang oder ein Billardtisch? Unklar, genauso wie die Genrebestimmung von Georg Kleins Roman. Aber ein Mustang kommt darin vor. Bild: Picture-Alliance

Georg Kleins wunderbarer Roman „Bruder aller Bilder“ beginnt als Mediensatire und wird dann zu einem rührenden Märchen, in dem die Grenze zwischen Leben und Tod verschwimmt.

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          Wenn man noch den verrückt-verrätselten Vorgänger „Miakro“ im Sinn hat, kann man auf den ersten Seiten zunächst nicht glauben, dass auch der vorliegende ein Roman von Georg Klein sein soll. Ganz handgreiflich, fast wie im Fernsehfilm geht es zu in dieser Geschichte vom „beliebten Sportreporter Addi Schmuck“ und der neu zu dessen Regionalzeitung, der „Allgemeinen“, gestoßenen Monika Gottlieb, die fast nur nach ihrem Kürzel „MoGo“ genannt wird. Eine sonderbare Gräfin namens Eszerliesl gibt es auch noch, der die Zeitung sowie ein Fernsehsender gehören. Da wittert man natürlich eine Mediensatire wie aus „Kir Royal“ oder, jüngeren Datums, aus „Laubaule & Erben“: Wird hier gleich noch Uwe Ochsenknecht um die Ecke kommen?

          Jan Wiele
          Redakteur im Feuilleton.

          Das dann doch nicht, aber offensichtlich hat hier jemand Spaß an einer Genre-Geschichte aus der alten Zeitungswelt, in der Reporter noch einen orangen Ford Mustang fahren, ihre Kolumnen handschriftlich abliefern, sich in Rockmusik-Zitaten un­terhalten und ständig Karikaturen des Machotums liefern: „Der Ausweis, den Schmuck zückte, steckte in einer Hülle aus Lederimitat und war der größte, überhaupt der erste zu zwei Innenseiten aufklappbare Presseausweis, den sie je gesehen hatte.“

          Addi Schmuck nimmt MoGo mit auf eine fünftägige Exkursion mit zunächst unklarem Ziel. Es geht um ein Vogelproblem im örtlichen Fußballstadion. Dafür besuchen sie einen schratigen Freund Schmucks, der auf einem verwilderten Grundstück mit Trockentoilette lebt und „der Auskenner“ genannt wird. Er trägt Armeestiefel und kocht unheimliche Eintöpfe, ist aber überaus einfühlsam.

          Auch Horror ist vorhanden

          Es liegt eine merkwürdige Ironie über der Erzählung, auf die man sich erst einmal einen Reim machen muss. Der einfachste ist, dass diese Ironie auf alles Provinzielle, Miefige und insbesondere auf eine Männerwelt zielt, in der auch noch ein „Doktor Feinmiller“ in Kniestrümpfen duscht und eine „Zugehfrau“ Wohnungen putzt, während ein „Doktor Kischel“ als vorgesetzter Redakteur alles vermeintlich Anstößige aus MoGos Texten unter gönnerhaftem Lob herausredigiert: „Scherz, ja! Erotik, unbedingt! Sexy? Why not. Aber alles im Rahmen des Gutverständlichen. Der Name unseres Blattes ist und bleibt – so insgeheim wie offenkundig – unser Programm.“

          Auch Aspekte des veritablen Horrors sind vorhanden, erfährt man doch, dass demnächst die Ressorts der „Allgemeinen“ aufgelöst werden sollen und dabei ein neues Gesamtressort für „Sport, Kultur und Leben“ entstehen wird. „Sport und Kultur: Für unseren Doktor Kischel sind das etwas anders bunte, aber letztlich nach verschwisterten Mustern ge­strickte Socken“, heißt es einmal. Hier wird deutlich, dass es, auch wenn die Geschichte in Augsburg spielt, um einen viel allgemeineren, weltweit längst fortgeschrittenen Schrecken geht.

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