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eBook : Zögert nicht, handelt!

Werden bald elektronische Lesegeräte wie der Amazon Kindle das gute, alte Buch ersetzen? Bild: © Helmut Fricke

Was in Japan schon ein lukrativer Trend ist, sorgt in Deutschland noch für Stirnrunzeln: Wird das eBook halten, was es verspricht? Wer morgen am elektronischen Buchmarkt führen will, muss heute investieren. Doch die Traditionsverlage zögern.

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          Mica Naitoh gehört zu den erfolgreichsten Schriftstellerinnen Japans. Aber ihre Bücher werden nicht gedruckt und in keiner Buchhandlung verkauft. Naito schreibt „mobile-phone-novels“, Romane, die auf dem Mobiltelefon gelesen und für das Mobiltelefon geschrieben werden, in einem Stil, der von der SMS geprägt ist.

          Hubert Spiegel

          Redakteur im Feuilleton.

          Damit werden Auflagen in Millionenhöhe erreicht, der japanische Markt wächst rasant und hatte bereits 2006 ein Volumen von zweiundachtzig Millionen Dollar erreicht. Die „mobile-phone-novels“ seien ein „Gottesgeschenk“ für die geplagten Verlags, hieß es daraufhin im „Economist“. Dabei hat die Branche eher Anlaß, die Götter wieder zu fürchten, wenn sie solche Geschenke bringen.

          Dass sich „phone novels“ hierzulande jemals durchsetzen könnten, dürften die meisten deutschen Verleger für völlig unwahrscheinlich halten. Aber deutsche Verleger konnten sich bis vor wenigen Wochen auch noch nicht vorstellen, dass der vor zehn Jahren als vermeintliche Totgeburt gestartete eBook-Reader, das digitale Lesegerät, das wichtigste Thema des Jahres 2009 für sie werden könnte. Die Buchbranche hat über Jahre in zwei Kernbereichen umgekehrt proportionales Wachstumsverhalten gezeigt: Man hat immer mehr Titel auf den Markt geworfen und immer weniger Phantasie entwickelt. Anders gesagt: Man hat immer mehr gedruckt und immer weniger gedacht.

          Mutig in die Zukunft?

          Als besonders phantasieanregend gelten unter solchen Umständen Zahlen, wie sie jetzt auf der bislang größten eBook-Konferenz im deutschsprachigen Raum in München präsentiert wurden. Gleich dreimal wurde den hundertfünfzig Teilnehmern aus deutschen Verlagshäusern, die der Einladung der Akademie des Deutschen Buchhandels gefolgt waren, von verschiedenen Referenten die jüngste Statistik des amerikanischen eBook-Marktes vorgelegt, denn dessen Wachstumskurve zeigt rasant nach oben: In nur drei Jahren hat sich der Umsatz nahezu vervierfacht. Das sollte gehirnstimulierend wirken. Wie ein Mantra wiederholten viele Referenten wie der bei Bertelsmann für Medientechnologie zuständige Johannes Mohn, Ralf Müller von DroemerKnaur oder Christian Guggemos von ciando ihre Aufforderung, sich der Herausforderung zu stellen und die Chancen wahrzunehmen. Das war kein Pfeifen im Keller - diejenigen, die sich im Keller wähnen, pfeifen nicht einmal mehr. Das sind vor allem die Buchhändler.

          Ob nun Johannes Mohn verkündete, dass die Medienindustrie insgesamt gerade die größte Veränderung seit ihrem Bestehen durchlaufe, oder Mike Röttgen vom Dienstleister arvato Systems haarklein darlegte, warum das eBook eine nahezu vollständige Neuorganisation der Arbeitsabläufe in den Verlagen verlange, immer war die Botschaft dieselbe: Zögert nicht zu lange! Abwarten bringt nichts! Handelt jetzt!

          Nicht wieder die anderen das Spiel übernehmen lassen

          Dabei ist die abwartende Haltung durchaus verständlich. Niemand weiß, ob die neuen Lesegeräte in Deutschland so gut einschlagen werden wie auf dem amerikanischen Markt, den Amazon mit seinem Kindle zu mehr als achtzig Prozent beherrscht. Wann der Kindle nach Deutschland kommt, ist ebenso unklar wie die Fragen, wie gut der im nächsten Frühjahr lieferbare Sony Reader ankommen wird oder ob es Libri und der konkurrierenden Börsenvereinstochter Libreka gelingen wird, Online-Plattformen aufzubauen und zu etablieren, die es mit Amazon aufnehmen können.

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