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E-Book-Reader : Wo ist bloß die Fußnote geblieben?

Noch ein Konkurrent: der Oyo will Maßstäbe setzen Bild: obs/Thalia Holding GmbH

Sie heißen „Oyo“, „Aluratek Libre“ oder „Acer LumiRead“ und ihre Anbieter behaupten tapfer, dass in ihnen die Zukunft des Buches liegt: Doch einstweilen sind die angebotenen E-Reader alles andere als überzeugend.

          Da liegt er also, der "Oyo", weiß und ziemlich unauffällig hinter einer Säule. Man weiß nicht recht, wie man ihn aussprechen soll, ohne dass es sich anhört wie schlechtimitiertes Koreanisch. Der Oyo ist der neueste Anlauf in Sachen Zukunft des Buchs und der Versuch, den sperrigen Begriff "E-Reader" durch etwas Geschmeidigeres zu ersetzen. Dahinter steckt die Buchhandelskette Thalia, die angesichts der stagnierenden, im letzten Quartal leicht rückläufigen Umsätze aus dem Filialgeschäft dringend eine Expansionsmöglichkeit sucht. Und sie im E-Book-Markt vermutet, weshalb man sich von Medion den Reader bauen lässt und ihn seit zwei Wochen, pünktlich zum Weihnachtsgeschäft also, unter eigenem Namen vertreibt.

          Innovativ am Oyo sind vor allem zwei Dinge: zunächst der Preis, der mit 139 Euro deutlich unter dem der Konkurrenz liegt. Und der vorinstallierte, virtuelle Thalia-Buchladen, mit dem der Kunde über ein WLan-Netz neue E-Books direkt auf das Gerät laden kann, ohne dass ein Computer vonnöten ist.

          Aldi-Design von vor zehn Jahren

          E-Book-Reader gibt es schon seit einiger Zeit, nun soll endlich die breite Leserschaft für elektronisches Lesen begeistert werden. Die E-Ink-Technologie sorgt für ein kontrastreiches, gestochen scharfes Schriftbild und ist dabei sehr sparsam: Eine Akkuladung hält zwei bis vier Wochen. Die Geräte sind sehr leicht und einfach zu bedienen, meist mittels Touchscreen. Allerdings sollte man sich nicht allzu viele E-Reader anderer Hersteller ansehen, bevor man den Oyo in die Hand nimmt: Der graue Hintergrund und vor allem die nervtötende Langsamkeit beim Blättern sorgt nicht gerade für das, was Thalia als "perfektes Leseerlebnis" bezeichnet. Besonders umlagert ist der Oyo-Tisch in der Frankfurter Filiale denn auch nicht. "Das ist gar nicht so schlecht zu lesen, wie ich dachte", sagt eine Dame im Vorbeigehen. Echte Begeisterung klingt anders.

          Der „Kindle” von Amazon

          Oder "Aluratek": Da denkt man an ein mittelständisches Unternehmen für Industriefolienbedruckung aus dem Schwäbischen. Aluratek Libre heißt jedoch der günstigste E-Reader auf dem Markt, den Weltbild Anfang November zum Kampfpreis von 99,99 Euro in die Filialen bringt, auch bei Hugendubel wird er erhältlich sein. Schwarzes Plastik, ein Design wie Aldi-Notebooks vor zehn Jahren und die erbärmliche Akkulaufzeit von vierundzwanzig Stunden sprechen nicht gerade für dieses Modell. Hundert Megabyte Speicherkapazität hat heute jedes Tischtelefon. Ein Touchscreen ist nicht vorgesehen. Der Preis ist zwar konkurrenzlos, aber will man sich so ein spartanisches, unelegantes Gerät als täglichen Begleiter anschaffen? Stundenlang in der Hand halten und auf den kleinen LCD-Bildschirm starren? Mit dem Aluratek versucht Weltbild einen ähnlichen Weg zu gehen wie Thalia mit dem Oyo und seine Kunden mittels eines Direktzugangs auf der Benutzeroberfläche gezielt in den eigenen E-Book-Laden zu lenken. Ob das gelingt, ist fraglich - für den Aluratek spricht nur sein Preis.

          Spärliche Treffer

          Mehr Komfort bietet da schon der Acer LumiRead, den Libri ab sofort für 179 Euro anbietet. Die teurere Variante ist sogar UMTS-fähig, also nicht auf lokale WLan-Netzwerke angewiesen. Dafür kooperiert Libri mit Tchibo Mobil - und schafft damit, woran Amazons Kindle in Deutschland scheiterte: die Einigung mit einem Mobilfunkanbieter. Auch Libri hat seinen firmeneigenen Shop vorinstalliert, und für jedes über UMTS gekaufte Buch wird weiteres Datenvolumen gutgeschrieben. Wer genug Bücher kauft, geht also ohne Mehrkosten ins Internet und kann mit dem LumiRead auch unterwegs zum Beispiel seine E-Mails abrufen. Libri hat zwar kein Filialnetz wie Thalia oder Weltbild, setzt aber auf Partner-Buchhändler. Die verdienen am Verkauf des Gerätes mit, aber auch an jedem E-Book, das sich der Kunde aus dem virtuellen Libri-Shop herunterlädt. Eine Provision von fünf bis zehn Prozent ist für den Buchhändler drin, je nach Umfang der Verkäufe.

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