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E-Book-Lesegerät : Ein Buch ohne Haut und Haar

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Abgesehen vom dann doch recht kümmerlichen Leseerlebnis an sich, werden die technischen Nachteile bei der ersten Benutzung deutlich: Das gar nicht so leichte Gerät reagiert sehr langsam, für Grafikdarstellungen braucht es gar mehrere Sekunden, ein schnelles Durchblättern eines Buches ist völlig unmöglich. Zudem fehlen Such-, Scroll-, Markier- und Kommentierfunktionen. Absolut lachhaft ist die - gegen Aufpreis erweiterbare - Speicherkapazität von 192 Megabyte, zumal der Reader auch noch ein MP3-Player und Fotoalbum sein möchte. Ein einfacher USB-Stick beinhaltet heute das Achtzigfache. Diese Mängel werden von dem in Amerika inzwischen vertriebenen Touchscreen-Nachfolgemodell PRS-700 freilich teilweise ausgeräumt. Es wirkt mithin, als würde hier ein eigentlich schon veraltetes Einsteigermodell teuer abverkauft. In Amerika kostet der PRS-505 übrigens rund ein Drittel weniger.

Doppelkäufe ausgeschlossen

Die Branchenriesen gehen voran beim Einstieg in den digitalen Buchmarkt. Frank Sambeth, als „New Media“-Spezialist der Geschäftsführung der Verlagsgruppe Random House assoziiert, prognostiziert ein starkes Wachstum in diesem Bereich, der in fünf Jahren einen Anteil von fünf bis zehn Prozent am Buchmarkt haben werde. Mit mehr als tausend Titeln geht Random House an den Start. Der Formatekrieg zwischen Kindle und Sony aber sei in jedem Fall ungünstig, gibt Sambeth zu, zumal Amazon nun noch eine strategische Partnerschaft mit Apple eingegangen ist, um E-Books über das i-Phone zu verbreiten - alles nicht konvertierbar.

Die Unsicherheit ist vor allem bei den mittelgroßen Verlagen zu spüren. Abwartend gibt sich Dumont, mehr als bedeckt Suhrkamp: „Das passt jetzt schlecht“, lautet die brüske Antwort, der zuständige Herr sei „im Einsatz“ und sonst absolut niemand zu sprechen. Rowohlt-Titel findet man bei Libri noch nicht, da die Vertragsverhandlungen noch nicht abgeschlossen seien. Mit Rücksicht auf die doch hohen Kosten der Konvertierung und der einzurichtenden Systeme möchte der Verlag, so Kraus vom Cleff, danach „behutsam beginnen“. Immerhin glaubt niemand mehr an das Long-Tail-Märchen.

Auch Titel der S.-Fischer-Verlage gehören noch nicht zum Libri-Angebot, weil man, so der kaufmännische Geschäftsführer Michael Justus, lieber auf einen Schlag mit einem kompletten Programm starten möchte. Allerdings hat Justus im Gegensatz zu Dalheimer große Zweifel an der Zukunftsfähigkeit separater Lesegeräte. Es erstaunt dann doch, dass die Erwartungen in der Branche keineswegs einheitlich sind. Auch Doppelkäufe hält man bei Rowohlt für ausgeschlossen, bei Kiepenheuer und Libri für sehr wahrscheinlich: Trotzdem seien entsprechende Bündelungen nicht vorgesehen.

Schwieriges Rechtemanagement

In einem Punkt nur sind sich alle Verlage einig: der Anwendung von DRM. Der ehrliche Käufer wird gegenüber dem Tauschbörsennutzer bestraft durch eine künstlich mit einem Mangel behaftete Version, zum Beispiel mit begrenzter Kopienzahl. Alle großen Firmen in der Musikindustrie haben das verkaufstötende DRM inzwischen wieder abgeschafft. Libri.de empfiehlt das nicht restriktive Verfahren des „Watermarking“. Selbst Sony sah sich schon genötigt, auf die katastrophalen Erfahrungen mit DRM hinzuweisen, bislang erfolglos.

Soeben ist eine Forsa-Umfrage im Auftrag des Hightech-Verbands Bitkom erschienen, mit einer auf den ersten Blick ermutigenden Zahl: „2,2 Millionen Deutsche haben die Absicht, sich in diesem Jahr ein digitales Buch zu kaufen.“ Der Bitkom-Vizepräsident Achim Berg schiebt jedoch gleich hinterher: „Die Zeiten, in denen man sich vor dem Urlaub für den Reiseführer entscheiden musste, gehören der Vergangenheit an. Jetzt können ganze Bibliotheken eingepackt werden.“ Das wiederum klingt beunruhigend, selbst wenn tatsächlich jemand eine ganze Bibliothek kaufen sollte.

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