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Die schreibende Managerin : Das Doppelleben der Mrs. Corley

Tagsüber Märkte, nachts Mörder: Elizabeth Corley Bild: Jan Roeder - F.A.Z.

Von sieben bis zwanzig Uhr ist Elizabeth Corley Europa-Chefin der Allianz-Fondsgesellschaft. Danach schreibt sie Bestseller-Krimis. Die sind spannend - und ziemlich blutrünstig.

          Elizabeth Corley führt ein Doppelleben. Tagsüber ist die Britin eine seriöse Managerin in München, eine der wenigen Frauen weltweit an der Spitze der Finanzbranche. Nachts schreibt sie Psychothriller, die spannend sind, blutrünstig und erfolgreich.

          Bettina Weiguny

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Sie macht kein Geheimnis aus den zwei Seiten der Mrs. Corley. Sie veröffentlicht ihre Bestseller, in denen sie eintaucht in die menschlichen Abgründe, demonstrativ unter ihrem Namen. Nur prahlt sie weder bei den Finanzprofis mit ihrer Schriftstellerkarriere, noch belehrt sie Krimifans bei Lesungen über Anlagestrategien.

          Strikt und konsequent

          Sie trennt ihre beiden Berufe. Strikt und konsequent. Von morgens sieben bis abends um 20 Uhr gehört ihr Tag der Allianz Global Investors (AGI). Als Europa-Chefin des Vermögensverwalters pendelt sie zwischen den Finanzplätzen London und Frankfurt und dem Konzernsitz in München. Weltweit verwaltet die AGI ein Vermögen von 1,2 Billionen Euro. Corley koordiniert die Arbeit der Investmentmanager bei den europäischen Tochterunternehmen und leitet den Vertrieb der Fondsprodukte in 13 Ländern.

          Nachts und im Urlaub dagegen erfindet sie ihre Psychothriller. „Das ist ein schöner Ausgleich.“ Dabei traut man Corley den Blutrausch kaum zu, entspricht sie doch perfekt dem Bild der britischen Lady. Selbstbewusst ist die 50 Jahre alte Direktorin, korrekt und professionell. Mitarbeiter beschreiben ihren Verhandlungsstil als hart und unnachgiebig, „aber nicht ungerecht“.

          „Sie ist die richtige Frau für den Job.“

          Corley regiert unangefochten. Dass sie die Exotin in einer Männerdomäne ist, beachtet sie erst gar nicht. Mitarbeiter der Allianz, die nach Fusionen und Entlassungen schlecht auf ihre Chefs zu sprechen sind, bescheinigen ihr: „Sie ist die richtige Frau für den Job.“

          Corley fällt nie aus ihrer Rolle. Zu ihrem Chefposten gehören ein klassisches Kostüm, Perlenkette, Pünktlichkeit. Ein freundliches Nicken Richtung Mitarbeiter - und klack, klack enteilt sie in ihr Chefbüro. Im Schreibtisch finden sich keine Notizen zu Mord und Totschlag. Hier gilt ihre ganze Phantasie den Zahlen. „Beim Schreiben aktiviere ich einen anderen Teil meines Gehirns. Das kann ich ein- und ausschalten, wie ich will.“

          „Ich spiele kein Golf. Das spart viel Zeit“

          In ihren Krimis wiederum spart sie die Finanzbranche bewusst aus. Schülerinnen werden ermordet, Lehrerinnen und Hausfrauen. Es geht um Musik und um Militär, um Erbstreitigkeiten und Wirtschaftsbosse. Drei Thriller („Requiem für eine Sängerin“, „Nachruf auf eine Rose“, „Crescendo“) hat Corley seit 2001 veröffentlicht, der vierte („Sine culpa“) kommt im Sommer. Bisher sind die Bücher in England und Deutschland erschienen, eines auch in Amerika. Demnächst folgen Belgien und die Niederlande. Ein paar hunderttausend hat sie verkauft, so genau weiß sie das nicht. Der Fischer Verlag spricht von 280.000 verkauften Exemplaren allein in Deutschland.

          Man fragt sich, wie sie das schafft, was andere schon in Teilen überfordert - rein zeitlich. „Ich spiele kein Golf. Das spart viel Zeit“, erklärt Corley, die verheiratet ist und eine Tochter hat. Zudem hat sie mit dem Schreiben erst angefangen, als ihre Tochter zur Universität ging.

          „Botengänge, kopieren, Kaffee kochen“

          Mit dem Hochschulstudium holt die Tochter nach, was die Mutter versäumt hat. „Die Deutschen sind immer leicht schockiert, wenn sie das hören“, sagt Corley belustigt. In England provozieren unkonventionelle Karrieren wie ihre weniger Stirnrunzeln. Als Mädchen wollte sie Geschichte studieren, an der Uni bleiben oder Lehrerin werden. „Als ich dann 18 war, fühlte ich mich nicht reif dafür.“ Sie wollte eine Auszeit - vor dem Ernst des Lebens. „Danach machte mir die Arbeit zu viel Spaß.“ Um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, jobbte sie als Aushilfskraft bei einer Versicherung, „Botengänge, kopieren, Kaffee kochen“.

          Zehn Jahre blieb sie in dem Unternehmen. Den Kaffee kochten bald andere für sie. Aus dem Aushilfsjob wurde eine Festanstellung, dann eine Führungsposition. Nebenher erwarb Corley in Abendkursen eine Marketing-Qualifikation und schließlich ein Management-Diplom, „welches aber weder einem MBA noch einem Doktor entspricht“, wie sie einräumt.

          Hochgearbeitet

          Ihrer Karriere hat das nicht geschadet. Sie wechselte zu Merrill Lynch und arbeitete sich hoch. 2005 holte Allianz Global Investors, einer der fünf größten aktiven Vermögensverwalter der Welt, sie nach München. Seither treibt sie das neue Europa-Fondsgeschäft voran, das die Allianz nach der Übernahme der Dresdner Bank aufgebaut hat. „Die Zahlen sind gut“, sagt Corley, die inzwischen auch Vorstandsmitglied der AGI Holding ist. „2006 hat AGI Europe die Ziele übertroffen.“ Der Ertrag der AGI weltweit liegt bei 1,2 Milliarden Euro.

          War die Finanzbranche bei Corley anfangs reiner Zufall, so ist sie heute fasziniert von dem Geschäft mit den Milliarden und dem Umgang mit den Finanzprofis - durchweg „clevere, smarte und brillant ausgebildete Jungs“, die keineswegs kommentarlos nickend zu Topmanagern wie ihr aufschauen. „Die verstehen den Job - besser als ich“, erklärt die Direktorin. Sie selbst ist schließlich keine Fondsmanagerin, sondern Vertriebsexpertin. Noch nicht mal privat versucht sie, mit den Investment-Managern zu konkurrieren. Ihr Vermögen lässt sie von Anlageexperten verwalten. „Mir fehlt die Zeit dazu.“ Verständlich. Nach ihrem Zwölf-Stunden-Tag inmitten der internationalen Finanzmärkte für Vermögensbildungs- und Kapitalanlageprodukte geht Corley nachts lieber auf Mörderjagd.

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