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Die Lyrikerin Erika Burkart, aufgenommen im Jahr 1961 Bild: Picture Alliance

Lyrikrezension: Erika Burkart : Die Mücke im Auge

  • -Aktualisiert am

Loblieder auf die Natur: Zu ihrem hundertsten Geburtstag erscheint eine große Auswahl der Gedichte von Erika Burkart.

          2 Min.

          „Im Wasser geschlafen, / nach Luft gerungen, / ins Feuer gesprungen, / heimgekehrt in die Erde.“ Knapper als mit diesem Vier-Elemente-Vierzeiler unter dem Titel „Biographie“ kann man ein Menschenleben kaum fassen. Das Gedicht schrieb die vor hundert Jahren in Aarau geborene Erika Bur­kart. Sie war eine der wichtigsten Lyrikerinnen der Schweiz. Im April 2010 ist sie „heimgekehrt in die Erde“. Hinterlassen hat sie neunzehn Ge­dichtbände, aus denen jetzt eine „große Auswahl“ vorliegt. Sie enthält auch die beiden in der „Frankfurter Anthologie“ interpretierten Texte „Flocke um Flocke“ und „Vita“.

          In Burkarts lyrischer „Welt der Bilder und Gefühle“, wie Peter von Matt das Werk einmal charakterisierte, nehmen Tiere und Pflanzen aus ihrer nächsten Lebensumgebung besonders viel Raum ein. Die Kategorie Natur­lyrik greift indes zu kurz, selbst wenn die Anfänge in den Fünfzigern eine Orientierung an Gedichten Annette von Droste-Hülshoffs nicht verbergen. Für den Zusammenhang von Poesie und Ökologie, der augenblicklich große Aufmerksamkeit erfährt, hat Bur­kart viel zu bieten. Dabei geht es nach Ernst Haeckels Definition von 1866 um alle – oft schädlichen – „Beziehungen des Organismus zur umgebenden Außenwelt“. Über Störungen des biologischen Gleichgewichts im technischen Zeitalter denkt Burkart immer wieder nach. Ein Titel wie „Homo faber“ lässt das auch unmittelbar er­warten. Da steht ein Mann in der Landschaft, von dem man nicht wissen kann, was er im Schilde führt. Plant er eine Schnellstraße, einen Modellflugplatz, eine Mülldeponie, einen Hundedressurplatz, einen Wanderweg? Oder blieb er einfach nur stehen, „weil ihm eine Mücke ins Aug flog“?

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