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Deutscher Literaturfonds : Trau keinem unter dreißig

  • -Aktualisiert am

Früher so, heute anders: Im Jahr 1968 fühlten sich Studenten von den Verhältnissen unterdrückt, heute fühlen sich die Studierenden eher verletzt. Bild: Picture-Alliance

Moral essen Freiheit auf: Der Deutsche Literaturfonds gerät in einen Generationenkonflikt, wünscht sich aber eigentlich nur größere Aufmerksamkeit. Dafür soll nun ein Preis sorgen.

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          Eine junge Frau aus dem Publikum ruft dazwischen. Sie ist empört. Der Moderator auf der Bühne hat gerade spöttisch aus einer Broschüre vorgelesen, die angehenden Schriftstellern ein „sensitivity training“ anbietet. Damit könne man ein „fertiges Manuskript auf authentische Darstellung überprüfen lassen“ bei heiklen Themen wie Rassismus, Religion, LGBTQA, Mikroaggression oder Fatshaming. Auch schon vor dem Schreiben könne man „einen oder mehrere sensitivity reader“ heranziehen, um sich zu informieren, wie man mit einem bestimmten Thema umzugehen hat. Tatsächlich hat der Moderator Thomas Böhm das alles etwas genüsslich karikierend vorgetragen. Weil es ja auch wirklich absurd ist, sich beim literarischen Schreiben von einer Broschüre oder einem Baukastensystem leiten zu lassen.

          Jan Wiele
          Redakteur im Feuilleton.

          Oder nicht? Immerhin findet die Veranstaltung am Deutschen Literaturinstitut Leipzig statt, an dem literarisches Schreiben gelehrt wird. Die Zwischenruferin studiert dort. Es geht ihr aber offenbar nicht um das konkrete Beispiel, sondern um die Atmosphäre. Das Diskussions-Panel dreht sich um politische Korrektheit, und auf der Bühne wie im Saal wird geschmunzelt und gelacht. „Warum lachen Sie das weg?“, fragt sie und sagt: „Das ist schwer auszuhalten. Es sitzt niemand vorne, der betroffen ist!“ Eine Kommilitonin stimmt ihr zu.

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