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„Der Tod wird euch finden“ : Bin Ladins Chaostruppe

  • -Aktualisiert am

Irgendwo in Afghanistan auf dem Staubboden: Bin Ladin Bild: dpa

Lawrence Wright schildert in „The Looming Tower“ das düstere, bizarre Leben von sehr unsympathischen Männern in ihrer ganzen prosaischen Verkrachtheit und irdischen Ratlosigkeit. Skurrile Details und Szenen von Versagen ersetzen die bekannten Legenden über Bin Ladin und seine Leute.

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          „Die Dinge werden gefährlich, wenn sie einfach scheinen“, hat Lawrence Wright in einem Interview erklärt und damit seine verblüffende Auffassung der Arbeit eines Reporters und Sachbuchautors offenbart: Es geht ihm nicht darum, die Leser sicher durchs Dickicht der Fakten, Thesen und Personen hindurchzuführen, sondern sie dessen verwirrende Opulenz erkennen zu lassen; nicht darum, Orientierung zu bieten, sondern vielmehr den Sinn des Publikums für das Labyrinthische der Gegenwart zu wecken; nicht bloß darum, zu erzählen, sondern zu fesseln und zu bannen, und in diesem konkreten Fall heißt das: das düstere, bizarre Leben von fünf oder sechs sehr unsympathischen Männern über mehrere Jahrzehnte so zu schildern, dass man das Buch nicht einen Moment weglegen möchte, bis zu jenem New Yorker Vormittag, an dem die Lebenslinien unserer Zeitgenossen zusammentreffen, dem des 11. September 2001.

          Wright, der an der Universität Kairo studierte und zwischen den Berufen des Drehbuchautors, Sachbuchautors und Reporters wechselte, hat für „The Looming Tower“ mehr als 600 Interviews geführt und den gesamten Nahen und Mittleren Osten bereist. Das Buch wurde gleich nach Erscheinen ein Bestseller und gewann in diesem Jahr erwartungsgemäß den Pulitzer-Preis. Nun erscheint es endlich unter dem Titel „Der Tod wird euch finden“ auf Deutsch.

          Irdische Ratlosigkeit und skurrile Details

          Was unterscheidet „Looming Tower“ von den zahlreichen anderen, meist sehr guten Darstellungen der Geschichte von Al Qaida, den Bin-Ladin-Biographien und -Fernsehdokumentationen?

          Lawrence Wright: Ironische Distanz zu den Superschurken

          Wright gestattet sich gegenüber seinem Gegenstand eine große Souveränität, fast eine ironische Distanz. Bin Ladin und seine Leute werden nicht als die islamistischen Superschurken geschildert, als die sie selber gern erscheinen möchten, sondern in ihrer ganzen prosaischen Verkrachtheit und irdischen Ratlosigkeit. Das ganze Buch ist eine narrativ überzeugende und faktengestützte Widerlegung des von dieser Gruppe ausgerufenen Kampfs der Zivilisationen zwischen ihrer Marke des Islams und dem Rest der Welt: Dieser gefährlichen Schlichtheit setzt Wright eine lange und viele kurze Geschichten entgegen, wie Scheherazade ihre tausendundeine Nacht dauernden Erzählungen gegen das Todesurteil des Kalifen.

          Bin Ladin fiel vor Schreck in Ohnmacht

          Wo man auch hineinliest: Skurrile Details und Szenen von Versagen und mehr oder weniger geglückter Improvisation ersetzen die bekannten Legenden, etwa bezüglich Bin Ladins Karriere im Kampf gegen die Sowjetunion in Afghanistan: Seine arabischen Brigaden waren kaum fähig, die eigenen Waffen sachgemäß aufzustellen und zu transportieren. Ihre erste größere Aktion wurde von einem einzigen afghanischen Regierungssoldaten unterbunden, der die mit Elektrokabeln herumfuchtelnden Araber mit seinem Maschinengewehr zum Rückzug zwang.

          Bin Ladin war nicht dabei, ihn plagten, wie oft vor Kampfeinsätzen seiner Leute, Schwindelgefühle sowie Kopf- und Magenschmerzen. Die unter Dschihadisten berühmte Anekdote, wie er einmal unter dem Beschuss der sowjetischen Artillerie in seiner Stellung einschlief - so gelassen soll er da gewesen sein -, deutet Wright ganz anders: Der Mann ist vor Schreck in Ohnmacht gefallen.

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