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Proteste in Hongkong : Wir werden weiterkämpfen bis zum Ende

  • -Aktualisiert am

„Solange wir keine Demokratie haben, wird die Bewegung weitermachen, so lange, bis wir erreichen, was wir wollen. Oder bis sie uns alle umgebracht haben“, sagt Buchhändler Lee. Bild: Sven Weniger

Lesen und leben in Zeiten des Aufruhrs: Der Hongkonger Buchhändler Daniel Lee zur aktuellen Situation in seiner Stadt.

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          Vor drei Jahren beschrieben Sie die Lage in Hongkong als düster. Wie sieht es heute aus?

          Die friedlichen Proteste gegen das Auslieferungsgesetz im Juni 2019 hatten auch mit der Buchhandelsszene hier zu tun. Nachdem 2015 hiesige Verleger gekidnappt, nach China entführt und dort vor Gericht gestellt worden waren, hätte das Gesetz die Möglichkeit eröffnet, diese Willkür in Zukunft zu legalisieren. Die Überstellung missliebiger Leute wäre ganz einfach geworden. Unter anderem an dieser Gefahr entzündeten sich die Demonstrationen. Darauf antwortete die Polizei mit Gewalt und brach Gesetze. Das ist immer weiter eskaliert. Am Nationalfeiertag wurde einem Demonstranten aus nächster Nähe in die Brust geschossen, vor wenigen Tagen wieder. Von den Machthabern angeheuerte Schlägertrupps verprügeln Menschen, nicht nur Demonstranten, auch Passanten und Leute, die zufällig anwesend sind. Verletzte werden sogar aus Krankenhäusern gezerrt und verprügelt. Wenn man die Polizei ruft, um gegen die Schläger vorzugehen, passiert nichts. Darüber sind die Leute natürlich entsetzt. Und das ist dann auch der Moment, wo die Menschen selbst zu Gewalt greifen. Wenn man verprügelt wird, auch von der Polizei, wen soll man dann zu Hilfe rufen? Das Einzige, was einem bleibt, ist sich selbst zu verteidigen. Keine Polizei kommt, es wird kein Recht angewandt, also muss man das Gesetz in die eigenen Hände nehmen.

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