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„Der Goldene Pick“ 2013 : Andrea Rings gewinnt mit „Parkour“

Bild: Andreas Brand

Ein virtuos geschriebener Jugendroman, der Spannung mit gesellschaftlicher Relevanz verbindet: Für ihr Manuskript „Parkour“ erhält Andrea Rings den zum vierten Mal ausgeschriebenen „Goldenen Pick“.

          Leo rennt: über Mauern und Zäune, durch fremde Häuser und quer durch den Friedhof, auf den Straßen der Metropole Gotenheim und immer wieder durch den Wald. Es ist Sport und Philosophie in einem, sagt Leo, es geht darum, den geraden Weg zu verfolgen und Hindernisse zu überwinden. Was er nicht sagt und wahrscheinlich nicht einmal weiß: Er ist auf der Flucht und auf der Suche zugleich.

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

          Leo, dessen Mutter seit Jahren spurlos verschwunden ist, dessen Vater nach einem Wespenstich einen allergischen Schock erlitten hat und seither im Koma liegt und dessen Patenonkel mit der Betreuung des Jungen überfordert ist, Leo also taucht erstmal unter. Seine Schulfreundin Natalie hilft ihm dabei, er lernt den Außenseiter Anton kennen und verliebt sich in das rätselhafte Mädchen Sunna, das sich im Wald auf einer Burg versteckt. Was aber hat es mit der Prophezeiung auf sich, in der von Bäumen, von einer heilenden Quelle und einem Ritual die Rede ist, bei dem ein „besonderes Kind“ die entscheidende Rolle spielt?

          Ein besonderes Anliegen

          Der Roman „Parkour“ der Biologin Andrea Rings erzählt von Leos atemlosem Lauf bis zum überraschenden Ende. Damit gewann Rings den Wettbewerb „Der Goldene Pick“, der vom Verlag Chicken House Deutschland gemeinsam mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung nun zum vierten Mal durchgeführt worden ist. Er zeichnet jährlich ein Manuskript aus, das sich an junge Leser richtet und von einem Autor stammt, der bislang noch kein eigenständiges belletristisches Werk publiziert hat. Frühere Preisträger sind Regina Dürig, Barbara Laban und zuletzt Andreas Schulze mit seinem Roman „Herr Ostertag macht Geräusche“.

          Die fünfköpfige Jury, der unter anderem die Bestsellerautorin Ursula Poznanski angehörte, entschied sich an diesem Freitag unter 130 eingereichten Manuskripten für „Parkour“ – wer sich für die vier übrigen Finalisten interessiert, findet auf FAZ.NET die ersten Seiten der Manuskripte sowie Videoporträts der Autoren. Mit „Parkour“ wird ein vielstimmiger Roman ausgezeichnet, der die verschiedene Perspektiven der Hauptfiguren virtuos in einen Text überführt, der Spannung mit gesellschaftlicher Relevanz verbindet. Denn Leos Aufbegehren führt am Ende geradewegs in einen Umsturz der politischen Verhältnisse in Gotenheim – und in eine neue Diskussion darüber, wie viel an menschlichen Eingriffen der Natur zuzumuten ist.

          Dass dieser Punkt ein besonderes Anliegen der Biologin Rings ist, erstaunt nicht weiter. Dass es ihr aber gelingt, dieses Anliegen in einem Roman darzustellen, der weit davon entfernt ist, zum bloßen Medium einer außerliterarischen Botschaft zu werden, macht seine Qualität aus. Im Herbst 2014 wird das Buch bei Chicken House Deutschland erscheinen.

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