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Bücher für junge Leser : Der Goldene Pick

Drei Grundregeln Otfried Preußler

Wir geben nicht etwa weniger, wenn wir für junge Leser schreiben, sondern wir geben etwas anderes, Altersgerechtes: Das ist der Konsens unter den ernstzunehmenden Kinder- und Jugendbuchautoren, und deshalb gibt es auch keinen von ihnen, der sich gleichermaßen erfolgreich in beiden Welten bewegt, selbst wenn er es versucht hätte: nicht Mark Twain, nicht Erich Kästner, nicht Tove Jansson, nicht Astrid Lindgren, die allesamt auch hin und wieder für Erwachsene geschrieben haben. Kein Zufall – die eine Welt verlangt schon genug von dem, der sich ihr ernsthaft stellt.

„Drei Grundregeln“, sagt Otfried Preußler, „muss der Erzähler beachten, der sich an Kinder wendet: Zum Ersten muss er ihnen was zu erzählen haben. Zum andern muss er sein literarisches Handwerk bis in den kleinen Finger beherrschen. Zum Dritten jedoch und hauptsächlich muss er sein Publikum kennen, ehren und liebhaben, dies vor allem.“

Der eine, entscheidende Schnabelhieb

Handwerk und Hingabe also seitens des Autors, dafür umgekehrt eine Zuhörer- oder Leserschaft, die an seinen Lippen oder den Seiten seiner Bücher hängt, als gäbe es nichts anderes. In einem Märchen der Brüder Grimm symbolisiert eine goldene Gans diesen Lesefuror: Wer dem Tier begegnet, wer gar in näheren Kontakt mit ihm gerät, ist ihm verfallen und bleibt buchstäblich daran kleben, so wie man manche Bücher nicht mehr aus der Hand legen kann, weil sie uns so sehr in ihren Bann schlagen. Ein besseres Schicksal kann seinen Manuskripten kein Autor wünschen, und er kann das Seine für diese Rezeption tun. In einem aber ist er auf Hilfe angewiesen: Jede goldene Gans kommt aus einem goldenen Ei, und damit der Übergang möglichst reibungslos vonstattengeht, braucht es den einen, entscheidenden Schnabelhieb, der dem Küken hinter der berstenden Schale die Welt schenkt und der Welt das Küken. Das ist der goldene Pick. Aufs Manuskript übertragen, heißt das: die Geburtshilfe eines Lektors oder Agenten, eines Enthusiasten aus der Verlagswelt, der sich dafür einsetzt, dass daraus ein Buch wird, das sein Publikum erreicht.

„Jeden richtigen Jungen“, so steht es in Mark Twains „Tom Sawyer“, „überkommt irgendwann das rasende Verlangen, loszuziehen und nach einem verborgenen Schatz zu suchen.“ Dieses Verlangen kann deutlich länger anhalten, als es Twain vermutete – und es gibt nie genug Schätze zu bergen. Daher schreibt die F.A.Z. gemeinsam mit dem Verlag Chicken House Deutschland einen Preis für verborgene Schätze, für kinder- und jugendliterarische Debüts aus: den Goldenen Pick. Teilnehmen darf, wer noch kein eigenes Buch mit fiktionaler Prosa veröffentlicht hat und bis zum 16. Juli 2010 ein Manuskript einschickt, das sich für junge Leser im Alter zwischen zehn und sechzehn Jahren auf der ganzen Welt eignet. Als Preis winkt ein Verlagsvertrag mit Chicken House Deutschland. Und die kritische Resonanz eines Publikums, das alles fordert und tausendfach zurückzahlt.

„Der Goldene Pick“: Teilnahmebedingungen für die zweite Runde des Schreibwettbewerbs

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