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Andrea Rings : Parkour

Bild: Andreas Brand

In der Metropole Gotenheim streifen Parkourläufer wie der Junge Leo durch die Stadt, klettern auf Kräne und beobachten wildfremde Menschen. Als Leos Vater ins Krankenhaus kommt, taucht der Junge unter – und gerät bald in große Gefahr. Immerhin kann er auf die Hilfe von drei neuen Freunden bauen.

          Andrea Rings, geboren 1965, aufgewachsen in der Eifel, arbeitet seit mehr als zwanzig Jahren als Biologin im Umweltbereich. Sie lebt in Mönchengladbach, ist verheiratet und hat zwei Söhne.

          Leo streift die Kapuze seines Sweatshirts über den Kopf und zieht die frische Luft gierig ein. Zum ersten Mal seit Wochen weht ein kühler Wind durch die Straßen von Gotenheim. Die Hälfte der Sommerferien ist vorbei.
          Für einen Moment schließt er die Augen und auf seiner inneren Leinwand taucht ein großer Kran auf, das absolut beste Ziel, das es zurzeit in Gotenheim gibt.
          Keine Fahrzeuggeräusche, die Straße unten ist frei. Er öffnet die Augen, springt aus dem Fenster, stützt sich mit den Händen auf dem vertrockneten Rasen ab und landet nach einem Katzensprung über die hüfthohe Mauereinfassung auf dem Bürgersteig. Den Schwung nimmt er mit, rennt über die Straße, auf das gegenüberliegende Mehrfamilienhaus zu, dessen Tür wie fast immer offen steht. Eine alte Frau mit Rollator hebt drohend die Faust, als er an ihr vorbeisprintet, geradeaus durch den Flur zur Hintertür hinaus, direkt auf die Friedhofsmauer zu. Ein Sprung aus dem Lauf heraus - zum ersten Mal gelingt es ihm an dieser Stelle!
          Die Alte schimpft immer noch, während Leo sich auf den schräg gemauerten Ziegelsteinen ausbalanciert. Der Friedhof an der St.-Paulskirche ist die einzige Stelle weit und breit, an der hohe Bäume wachsen. Das Gras in ihrem Schatten ist so saftig und weich, dass man bequem darauf abrollen kann.
          Er läuft über die Grabeinfassungen und fühlt sich frei. Was kümmert ihn der Friedhofsverwalter, der ihn neulich für einen Kupferdieb gehalten hat? Diese grauen Hausmeistertypen haben eins gemeinsam: Sie sind zu langsam.
          Vorbei an der Leichenhalle, wieder auf die Friedhofsmauer. Mit einem Präzisionssprung versucht er auf einem fast vier Meter entfernten Gullydeckel zu landen. Und es gelingt - heute ist sein Tag!
          Weiter geht es durch Häuserschluchten, auf Bürgersteigen, Radfahrwegen. Leo überläuft Parkbänke und Papierkörbe, alle Hindernisse, die ihm im Weg sind. Dann die Treppen hinunter, in den Fußgängertunnel, wo der Hall seiner Schritte tausendfach zurückgeworfen wird und sich wie Applaus anhört.
          Jetzt muss er durch die größte Einkaufspassage der Stadt. Die Leute bewegen sich fast in Zeitlupe und der Mix von Werbedurchsagen und Popmusik macht ihn wahnsinnig. Diese entschleunigten Typen schütteln auch noch den Kopf, weil er die Rolltreppe entgegen der Fahrtrichtung hinunter läuft. Warum nehmen die nicht den Aufzug?

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