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David Schnarchs Bett-Ratgeber : Was Schröder-Fischer-Wulff falsch machen

  • -Aktualisiert am

Wenn nichts mehr geht, hilft David Schnarch Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Nicht nur das Alter hat seine besonderen Körperfreuden, auch die Monogamie verspricht besseren Sex: Der Sexualtherapeut David Schnarch hat einen Bett-Ratgeber für Paare geschrieben, die Paare bleiben wollen.

          Wie Pauschaltouristen mit Pauschalvorstellungen in die Welt reisen, so gehen die Menschen mit schwachsinnigen Paar- und Sexvorstellungen in die Paar- und Sexbeziehung hinein, leben aneinander vorbei im Versuch, zueinanderzufinden, schlafen miteinander, ohne miteinander zu schlafen, und trennen sich, ohne etwas vom anderen gelernt und ohne sich selbst besser kennengelernt zu haben.

          Der beim Volk beliebte, jungenhaft wirkende niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) hat sich nach achtzehn Ehejahren von seiner Frau getrennt. Die beiden haben eine Tochter, die zwölf Jahre alt ist. Wulff ist ein Jahr älter als seine Ehefrau, die ihrem Mann zuliebe ihre Karriere als Anwältin aufgegeben hatte. Die Eheleute sagten, sie würden im Guten auseinandergehen. Der Ministerpräsident hat es gut, er hat schon eine neue Frau gefunden, die auch noch gleich vierzehn Jahre jünger ist als er.

          Wo ist Ihr Kopf beim Sex?

          Der übliche Lauf der modernen Paare, könnten wir sagen. Wir fragen uns aber, ob den Wulffs nicht ein Besuch bei einem Therapeuten geholfen hätte. Zum Beispiel bei dem erfolgreichen amerikanischen Sexualtherapeuten David Schnarch. Sein Buch „Passionate Marriage“ (das Original erschien 1997) liegt jetzt in einer sehr lesbaren deutschen Übersetzung vor.

          Über Erotik und Begehren herrschen in vielen Betten die dunkelsten Vorstellungen, während nichts so gerne in das grelle Licht der Öffentlichkeit gezogen wird wie die sogenannte Erotik und das sogenannte Begehren. David Schnarch dagegen stellt uns Fragen: Wo ist Ihr Kopf beim Sex? Schauen Sie sich beim Orgasmus in die Augen? Wie überstehen Sie die Feuerprobe Ihrer Beziehung?

          Seine Ansichten laufen dem analphabetischen sexuellen Ausdrucksverhalten unserer Gesellschaft diametral entgegen. Die Sexualität ist etwas Grandioses und zutiefst Persönliches. Das sexuelle Begehren sei, so Schnarch, nicht einfach ein rein biologischer Trieb, der unser Sexualverhalten weckt (junge schöne Frau sucht jungen schönen Mann zum gelegentlichen Treffen). Das Begehren sei „nicht so sehr ein Verlangen nach Sex, sondern ein Verlangen beim Sex - nicht ein Verlangen, das nur auf sexuellen Kontakt hindrängt, sondern eines, das die sexuelle Begegnung auch begleitet.“ Der junge schöne Mann fragt die junge schöne Frau: Hast du Lust auf Sex? Da geht es dann also um ein bestimmtes Verhalten und darum, ob der andere dazu bereit ist. Ein Partner wird mit dieser Frage nicht gesucht. Denn die Partnerfrage lautet: Begehrst du mich?

          Die Sexualität von denkenden Wesen

          Man muß eine Persönlichkeit haben, um beim Sex glücklich zu werden. Ein flacher Mensch gelangt zum Höhepunkt, aber er kommt nicht weit. „Die Art von Begehren“, so Schnarch, „die ich hier meine, hat weniger mit den Trieben zu tun als mit sexueller Reife.“ Unsere Sexualität ist nicht die Sexualität von Tieren, sondern die Sexualität von denkenden Wesen.

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