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David Graebers Kapitalismuskritik : Sklaven sind wir alle!

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Gebaut auf dem festen Fels unserer Schuldengläubigkeit: Blick von oben auf Midtown Manhattan Bild: Corbis

Im Naturzustand hatte man noch etwas füreinander übrig, dann kamen Geld, Gewalt und Sklaverei: In seinem von der Occupy-Bewegung gefeierten Werk „Schulden“ erzählt David Graeber die Geschichte vom bösen Kapitalismus.

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          Kaum ein Text, der etwas mit der finanzwirtschaftlichen Malaise zu tun hat, kann sich einer ähnlichen Aufmerksamkeit erfreuen wie das seit dem Wochenende auch auf Deutsch vorliegende Schulden-Buch von David Graeber. In der globalisierungskritischen Szene ist der Autor prominent, und für die Occupy-Bewegung spielt der in London lehrende amerikanische Anthropologe eine geradezu herausragende Rolle. Mittlerweile aber hat seine Kritik an der „Schuldengesellschaft“ auch deren Mitte erreicht und wird dort geradezu enthusiastisch aufgegriffen. Denn Graeber verspricht nicht nur Aufklärung über die eigentlichen Ursachen der gegenwärtigen Schuldenkrise. Er bietet auch Orientierung in einem vermeintlich aus dem Ruder laufenden Kapitalismus.

          Graeber tritt an, die vermeintliche Paradoxie aufzuklären, dass die einen ihre Schulden um jeden Preis bedienen müssen, während anderen unter die Arme gegriffen wird, von denen man nicht erwartet, sie würden je ihre Konten ausgleichen. Und diese Aufklärung soll helfen, Alternativen zum Kapitalismus aufzuzeigen. Denn eigentlich geht es Graeber um die Überwindung einer Schuldknechtschaft, die wir längst verinnerlicht haben. Für ihn hingegen ist es keineswegs selbstverständlich, seine Schulden zu akzeptieren und sie zurückzuzahlen. Glaube man das, sitze man nur den falschen Botschaften des Wirtschaftsliberalismus auf, nach welchen der Mensch von Natur aus ein am Eigennutzen orientiertes Wesen sei, das im Austausch und Wettbewerb mit anderen seine wirtschaftlichen Ziele verfolge, wobei ihm das Geld helfe, die Fesseln des Naturaltauschs abzustreifen und zu allgemeinem Tausch, Handel und Wohlstand zu finden. Das aber sei bloß ein „allgemein verbreiteter Mythos“. Nichts an der gegenwärtigen Ökonomie sei natürlich. „Die wahren Ursprünge des Geldes“, so Graeber, finden sich vielmehr, „bei Verbrechen und Vergeltung ..., bei Krieg und Sklaverei, Ehre, Schuld und Sühne.“

          Böser Wucher statt „humaner Ökonomien“

          Markt und Geld seien zerstörerisch, denn „ursprünglich lebten die Menschen in einem Naturzustand, in dem allen alles gemeinsam gehörte“, weiß Graeber. Diese Vorstellung eines „ursprünglichen Kommunismus“, der sich auch heute noch im Alltagskommunismus des Lebensvollzugs (“Rohstoff des Zusammenlebens“) finde, ist der Anker seiner Argumentation. Denn an diesen Naturzustand anschließend, habe es so etwas wie „humane Ökonomien“ gegeben, in denen die Menschen einander individuell in einer unaufhebbaren Weise verpflichtet gewesen seien.

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