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„Das wilde Leben“ : Ich war Uschi Obermaier

Uschi Obermaier: Wildes Leben, verzweifeltes Vermarkten Bild: dpa

„High Times“ und „Das wilde Leben“. Ein neues Buch und ein Film über die Frau, die nicht älter werden kann. Inhalt: Ich war Uschi Obermaier, von circa 1966 bis 1984. Seither versuche ich, meinen Ruhm und meine Vergangenheit zu bewirtschaften.

          7 Min.

          Wenn die Toten sprechen könnten, dann würden sie uns ihre Geschichten ganz erzählen, vom Anfang bis zum Ende - und nicht nur deshalb wäre Dieter Bockhorn eigentlich der ideale Autor für einen Bericht über das Leben und die Meinungen der Uschi Obermaier.

          Claudius Seidl

          Verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Denn dieser Bockhorn, der sich sein Geld meistens als Wirt in Hamburg und manchmal auch mit reinem Schnorren verdiente, der sich selber aber gerne einen Künstler und seinen Alltag ein Kunststück und eine Performance nannte, ein Mann, dessen Ausdruckswille weder von Bildung noch von allzu viel Geschmack gebremst wurde, Dieter Bockhorn war, seit 1973, meistens Uschi Obermaiers Liebhaber und Gefährte, ihr Aufseher, ihr Chauffeur und manchmal auch ihre letzte Hoffnung gewesen.

          Vergangenheit vermarkten

          Dass er vor allem der Autor ihres Lebensdrehbuchs war (auch wenn es darin immer wieder Platz zum Improvisieren gab), das wurde Uschi Obermaier wohl erst später bewusst, Jahre nach dem schwarzen Neujahrstag 1984, an dem Bockhorn sich ein Motorrad lieh, alle Geschwindigkeitsbegrenzungen ignorierte - und als sie ihn fanden, lag er vor einem Laster, neben den Trümmern des Motorrads, und von seinem Gesicht, so heißt es, sei auch nicht viel übrig gewesen.

          Ein Leben als einziger Skandal: Kommune I, Drogen und wilde Parties

          Damals war nicht nur die Geschichte des Dieter Bockhorn zu Ende. Wenn Uschi Obermaier von ihrem Leben erzählt, ist dieser Unfall immer der dramatische Schlusspunkt. Sie war 37 Jahre alt - und der Umstand, dass sie seither kaum älter geworden ist, hat womöglich seinen Grund auch darin, dass nichts Wesentliches mehr geschehen ist. Eigentlich müsste sie, wenn sie mal wieder eine Talkshow besucht, sich so vorstellen: Ich war Uschi Obermaier, von circa 1966 bis 1984. Seither versuche ich, meinen Ruhm und meine Vergangenheit zu bewirtschaften.

          Der Weg nach Schwabing

          Wir sind einander knapp zehn Jahre nach dem Unfall begegnet, im Sommer 1993, in einem mexikanischen Lokal in East Los Angeles, wo ein paar deutsche und österreichische Wahl- und Teilzeitkalifornier beisammen saßen, und nach dem Essen, beim Rauchen im Innenhof, stand Uschi Obermaier im Mittelpunkt, was genau zwei Ursachen hatte: Die eine war ihr Lachen, das laut und dunkel war und keinen Widerspruch zu dulden schien.

          Und die andere war dieser selbstbewusste Münchner Vorstadtslang - der Monaco Franze hätte, in jenen Münchner Geschichten, die denen der Uschi Obermaier gar nicht so fremd sind, diesen Klang wohl so identifiziert: „Lindwurmstraße, Richtung Süden, den Berg hinauf, hinterm Harras eher rechts...“ Und wenn sie „der Mick“ und „der Keith“ sagte, klang das kein bisschen provinziell. Eher danach, dass, zu Uschi Obermaiers besten Zeiten, auch die Rolling Stones als Münchner ehrenhalber galten - schon weil sie ihre Platten damals gern in Giorgio Moroders Musicland-Studio aufnahmen, und nachts entspannten sie sich in den ortsüblichen Klubs, im „Sugar Shack“ oder im „Trader Vic's“ unter dem Bayerischen Hof.

          Alltags- und Liebesfreiheit musste erkämpft werden

          Im Winter 1994 kam von einem Verlag die Anfrage, wonach Uschi Obermaier aus ihrem Leben ein Buch machen wolle und ob ich das alles aufschreiben und in eine Form bringen wolle. Im Frühjahr hatten wir alle Schauplätze in München, Hamburg, Berlin inspiziert; zehn Bänder waren besprochen, und beim Abhören wurde mir klar, was sich schon abgezeichnet hatte während der langen Interviews: Es gab auf dem Terrain ihrer Erinnerung unermesslich große weiße Flecken.

          „Uschi, wie war denn das jetzt genau mit'm Jimi?“
          „Ja, toll war's. Ganz toll.“
          „Geht's bisschen genauer?“
          „Ach geh, ich war doch so aufgeregt: der Jimi Hendrix und ich!“
          „Und der Bockhorn: Was hast'n von so einem wollen?“
          „Der Bockhorn, weißt, der war einfach mein Mann.“




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