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Das war die Leipziger Buchmesse 2013 : Liebesspiel mit Zuschauern

Große Auswahl: Auf der Leipziger Buchmesse 2013 präsentierten sich über 2000 Verlage mit ihren Neuerscheinungen Bild: dpa

Rekord in Krisenzeiten: Die Leipziger Buchmesse lässt sich weder vom Vormarsch der E-Books noch von Unkenrufen beunruhigen und zelebriert mit Erfolg und Publikumszuspruch die Lust am Buch.

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          Um zu verstehen, was Leipzig für die Buchbranche bedeutet, muss man mit einer der Straßenbahnen aus der Innenstadt zum Messegelände fahren. Obwohl sie bis zum späteren Mittag im Fünfminutentakt unterwegs sind, sind sie zum Bersten gefüllt, und das Durchschnittsalter in den Waggons dürfte (wenn nicht gerade wie am Freitag Michail Gorbatschow auf der Messe erwartet wird) unter zwanzig Jahren liegen.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Das ist sie, die für Bücher verloren geglaubte junge Generation. Zu Zehntausenden quetscht sie sich vom Auftakt (einem klirrend kalten Schultag) bis zum Abschluss (einem strahlend schönen Sonntag) in die Glashalle, das Herz des Messegeländes, aus dem die Besucherströme wie durch transparente Adern in die vier seitwärts gelegenen Hallen gepumpt werden, in denen sich das eigentliche Geschehen abspielt.

          Es herrscht permanente Infarktgefahr in diesem subtilen Kreislauf. Am Samstag, als die Zahl meist kostümierter Comic-Fans ihren Höhepunkt erreicht, wird die Glasbrücke zur Halle, in der sich die Jugendbuch- und vor allem die Manga-Verlage finden, kurzerhand zur Einbahnstraße erklärt, damit überhaupt noch etwas vorangeht.

          Comics sind nur ein Aspekt

          Und zum Hauptausgang der Messe kommt man nicht mehr, weil sich die Warteschlange für die zwei Signierstunden des Cartoonisten Joscha Sauer durch die ganze Glashalle und noch die Treppen hinauf zieht. Aber Comics sind auf der Leipziger Messe nur ein Aspekt, wenn auch ein für die abermals gewachsene Besucherzahl (in diesem Jahr waren es 168.000) entscheidender.

          Rund um sämtliche Foren, Arenen, Zimmer, Bühnen und Sofas, die zu Lesungen und Gesprächen dienen, stauen sich die Menschen, als könnten allein Buchautoren ihnen noch die Welt erklären. Leipzig, das ist eine Publikumsbuchmesse, wie sie das hektische Frankfurt nie sein wird -ein Liebesspiel der Leser mit ihren Helden, den fiktiven wie den schreibenden.

          Und doch ist an den Verlagsständen wenig Zuversicht zu spüren. Die Vertreter großer Häuser räumen ein, dass der Buchabsatz weiterhin zurückgehe, ohne dass der Zuwachs an E-Books dies kompensieren könne. Im Klartext: Er werden weniger Bücher gekauft, und niemand weiß genau, warum.

          Schaufenster für die Jugend

          Da tut es gut, all die jungen Leser zu sehen, die dann in ein paar Jahren hoffentlich solvent genug sein werden, um ihrer Lust am Buch auch Umsatz folgen zu lassen. Doch Leipzig war immer schon ein Schaufenster für die Jugend. Wo sind heute diejenigen, die bereits vor zehn Jahren die Straßenbahnen verstopften? Eins ist sicher: In den Buchhandlungen sind sie nicht.

          Deshalb hat die deutsche Buchbranche ihre neue Imagekampagne „Vorsicht Buch!“ lanciert (F.A.Z. vom 13. März). Sie richtet sich mit betont lockerem Tonfall bewusst nicht an das vorhandene Publikum, sondern an diejenigen, die man neu als Leser gewinnen will. Auf den Plakaten sieht man Menschen, die unter dem Bann eines Buches stehen.

          Konkrete Titel werden nicht genannt, aber das Genre und der jeweilige Umfang. Es fällt auf, dass keines länger ist als 422 Seiten. Zumindest nicht auf jenen Plakaten, die im „Berliner Zimmer“ ausgehängt sind, jenem legendären Leseforum der Buchmesse, das der Börsenverein des Deutschen Buchhandels nach der Wende einrichtete, als auf der Leipziger Traditionsveranstaltung endlich offen diskutiert werden durfte.

          Charmanter Schwindel

          Das liegt mittlerweile mehr als zwanzig Jahre zurück, und das kleine „Berliner Zimmer“ ist ein liebenswerter Anachronismus im brodelnden Spektakelbetrieb. Immerhin wird hier noch der Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik verliehen, den in diesem Jahr Daniela Strigl, regelmäßige Mitarbeiterin dieser Zeitung, zugesprochen bekommen hat. Umgeben von all den plakatierten Vermittlungsangeboten des Buchhandels, beharrt sie in ihrer Dankesrede darauf, als Kritikerin nur zwischen sich selbst und dem Buch zu vermitteln.

          Dass das ein charmanter Schwindel war, beweist Strigl selbst nur zwei Stunden später, als sie die Laudatio auf David Wagner hält, der mit seinem Buch „Leben“ den Preis der Leipziger Buchmesse in der Sparte Belletristik gewonnen hat. Für die spielerische Nachdenklichkeit, die diesen Zwitter zwischen Roman und Erfahrungsbericht auszeichnet, findet sie die richtige Beschreibung.

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