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Günter Grass : Zurüstungen für den Achtzigsten

Neues Exponat: ein Butt-Bildnis Bild: AP

Die Blechtrommel rückt in den Mittelpunkt: In nur drei Wochen hat das Lübecker Grass-Haus seine Dauerausstellung über den Schriftsteller, der im Oktober achtzig wird, komplett überarbeitet.

          In Lübeck erreicht die wechselvolle Beziehung zwischen Günter Grass und der SPD gerade ihre letzte, ihre museale Stufe. Und sie gilt den Lübeckern als „glückliche Fügung“. Am Donnerstag wurde das umgebaute Günter-Grass-Haus wiedereröffnet. Am 18. Dezember wird das Willy-Brandt-Haus eröffnet, das im Wortsinn gleich um die Ecke liegt.

          Frank Pergande

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Grass residiert in der Glockengießerstraße, Brandt in der Königstraße. Beider Häuser Hinterhöfe berühren sich im rechten Winkel. Beide Einrichtungen, hier die Lübecker Museen, dort die Berliner Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung, nutzen gemeinsam einen Gebäudetrakt auf dem Hof. Unter anderem auch als Veranstaltungsort, der, sozusagen naturgegeben, zum Nachsinnen über Politik und Kunst einlädt – unter besonderer Berücksichtigung der Sozialdemokratie. Künftig kann der Besucher von Brandt zu Grass gelangen und umgekehrt.

          Komplett überarbeitet

          Der schöne Hof mittendrin wurde ermöglicht durch das Geld der Lübecker Possehl-Stiftung. Aber auch durch Grass selbst, der zusammen mit seinem Galeristen die Plastik „Dreibrüstiger Torso“ spendete. Das Grass-Haus gibt es seit fünf Jahren. Der achtzigste Geburtstag des Nobelpreisträgers am 16. Oktober war Anlass, die Ausstellung komplett zu überarbeiten, in gerade einmal drei Wochen.

          Und eine Butt-Bronze

          Eine Lehre aus der ersten Ausstellung, die jährlich 20.000 Besucher anzog, darunter vor allem Schulklassen, zieht die neue: Jetzt steht Grass’ populärstes Werk auch im Mittelpunkt, der 1959 erschienene Roman „Die Blechtrommel“. Da wird gezeigt, wie Grass um den ersten Satz „Zugegeben: ich bin Insasse einer Heil- und Pflegeanstalt“ gerungen hat. Seine Buchumschlagentwürfe sind zu sehen und für den, der Zeit mitbringt, Volker Schlöndorffs Verfilmung. Auf ähnliche Weise werden auch „Mein Jahrhundert“ und „Im Krebsgang“ behandelt. Ein nächster Raum verfolgt Grass-Motive, etwa sein Bestiarium aus Rättin, Schnecke und Butt in Literatur, Malerei und Plastik. Der obere Raum gehört den Sonderausstellungen.

          Der frühe Grass

          Die aktuelle zeigt den frühen Grass, der sich offenbar überall getummelt hat – im Theater, mit „Noch zehn Minuten bis Buffalo“ oder den „Bösen Köchen“, auf der Ballettbühne (seine erste Frau war Tänzerin) und in der Literatur mit Büchern, die damals Titel trugen wie „Meine grüne Wiese“ oder „Die Vorzüge der Windhühner“. Grass verstand sich wohl schon immer als ein Gesamtkunstwerk. Dabei hebt er stolz hervor, sich bereits in den fünfziger Jahren vorherrschenden Auffassungen widersetzt zu haben. Der abstrakten Kunst etwa. Seine Kunst sollte lebensprall, sollte gegenständlich bleiben. Die 1955 entstandene Zeichnung vom Hahn, ein Motiv, das später auch eine Bronze wurde, wirkt allerdings schon fast abstrakt – und ist ein besonders reizvolles Blatt.

          Im Grass-Haus wird es in den nächsten Monaten eine Veranstaltungsreihe „Lebenserinnerungen“ geben, angeregt durch das Erinnerungsbuch „Beim Häuten der Zwiebel“. Johano Strasser macht den Anfang, es folgen Ralph Giordano, Fritz J. Raddatz und Hartmut von Hentig, die über Erfahrungen beim Schreiben ihrer Autobiographie sprechen. Ob sie auch so Aufregendes in einer Gedächtnisfalte gefunden haben wie der Schläger der „Blechtrommel“?

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