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Dantes Verse : In der Vorhölle

  • -Aktualisiert am

Dantes Verse Bild: Natascha Vlahovic

Schlechte Aussichten für zurückgetretene Päpste: Was Benedikt XVI. anstellte, empfand Dante als eine Scheußlichkeit.

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          Da einen ich erkannt nun unter ihnen,
          Schaut’ hin ich und erblickte jenes Schatten,
          Der auf das Groß’ aus Feigheit einst Verzicht tat.

          Poscia ch’io v’ebbi alcun riconosciuto,
          vidi e conobbi l’ombra di colui
          che fece per viltade il gran rifiuto.

          (Inferno III, 58–60, übersetzt von Philalethes)

          Viele Menschen aus Vergangenheit und Gegenwart hat Dante in seiner Commedia in die Hölle versetzt. Einige tauchen schon im Eingangsbereich auf, in der Vorhölle nahe dem Ufer des Unterweltflusses Acheron. Der prominenteste unter ihnen ist, wie Dante erzählt, „ein Schatten dessen / der feige tat den großen Amtsverzicht“: es handelt sich um Papst Coelestin V., der mit seiner Abdankung nach nur fünf Monaten Amtszeit (1294) unfreiwillig Dantes größtem Gegner, Papst Bonifaz VIII., den Weg freimachte.
          Dantes Verdammungsurteil über diesen Papstrücktritt blieb nicht ohne Wirkung. Zwischen 1294 und 2009, mehr als siebenhundert Jahre lang, ist kein einziger Papst mehr freiwillig zurückgetreten. Viele nahmen schwere Krankheiten und lange Todeskämpfe auf sich – das letzte Beispiel war Johannes Paul II. (Papst von 1978 bis 2005). Nirgendwo im Kirchenrecht, in keinem Handbuch findet sich das Stichwort „Papstrücktritt“. Dass man als Papst „in den Sielen stirbt“, schien im Lauf der Zeit normal und beinahe alltäglich zu werden.
          Erst am 28. Februar 2013 ereignete sich ein zweiter Papstrücktritt: der Verzicht des deutschen Papstes Benedikt XVI. (Joseph Ratzinger) aufs höchste katholische Amt. Er wurde mit gesundheitlichen Anfechtungen und schwindenden Kräften begründet. Benedikt XVI. hatte am 28. April 2009, vier Jahre vor dem eigenen Rücktritt, das Grab Coelestins V. in Aquila besucht, dort gebetet und dabei sein Pallium, das Zeichen seiner Autorität als Bischof von Rom, abgelegt – eine Geste, der man im Nachhinein symbolische Bedeutung zumaß.
          Zurück zu Dante: Nachdem er das Höllentor durchschritten hat, stößt der Dichter mit seinem Führer Vergil zuallererst auf die Lauen und Gleichgültigen. Sie werden jener Engelschar an die Seite gestellt, „die einstmals nicht gewagt zu rebellieren / noch treu zu bleiben, die für sich nur war“. Wird hier Amtsverzicht als Unentschiedenheit, als ein großes Weder-Noch stigmatisiert? Eine erstaunliche Option! Dantes Gedicht steckt schon in den ersten Gesängen voll schwer durchschaubarer Rätsel.


          Hans Maier ist Politologe und war von 1970 bis 1986 bayrischer Kultusminister.

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