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Dan-Brown-Debatte im Internet : Wer des Teufels Fell streichelt, muss durch die Hölle gehen

Gerade erst erschienen, doch schon seit Monaten stark diskutiert: Dan Browns „Inferno“ Bild: dpa

Die große Schnitzeljagd im Netz: Schon Wochen vor dem Erscheinen des Buches wurde „Inferno“ heftig auf Social-Media-Seiten diskutiert. Zumal über Facebook und Twitter kam dabei kniffliges Material in Umlauf.

          „Inferno“, der neue Roman von Dan Brown, war das Buch, das im April am häufigsten auf amerikanischen Social-Media-Seiten im Internet erwähnt wurde. Nach einer von der Firma CoverCake erstellten Statistik lag an zweiter Stelle der Roman „World War Z“ von Max Brooks, Science-Fiction gekreuzt mit Zombie-Horror. Im Juni wird eine Verfilmung des 2006 erschienenen Buches ins Kino kommen.

          Patrick Bahners

          Feuilletonkorrespondent in Köln und zuständig für „Geisteswissenschaften“.

          Analog ist zu erklären, dass plötzlich fast alle Welt Kurzmitteilungen über F. Scott Fitzgeralds Roman „The Great Gatsby“ (Platz 5) versendet. Auf dem dritten Platz findet sich eine Neuerscheinung des Jahres 2013, die man im April tatsächlich schon gelesen haben konnte: das Sachbuch „Lean In“ der Facebook-Managerin Sheryl Sandberg. Bei diesem Buch, einem Appell an ehrgeizige Frauen, ihre Diskriminierung am Arbeitsplatz durch Selbstausbeutung zu überwinden, beträgt der Anteil der Leserinnen an den Knopfdrückern und Daumenhebern 71 Prozent.

          Aktive Publikumsbeteiligung

          Dass mehr Männer als Frauen ein Buch im Gespräch gehalten haben, trifft unter den ersten zehn nur für die beiden Spitzenreiter von Brown und Brooks zu. Unter den Dan-Brown-Fans, die die Zeit bis zum Erscheinungstag von „Inferno“ mit vorauseilenden Kommentaren überbrückt haben, liegt der Männeranteil bei 55 Prozent. Immerhin bot ein im März an die Wartenden elektronisch verschickter Auszug, Prolog und erstes Kapitel, eine erste Grundlage für Spekulationen.

          Der Verlag Doubleday, der durch Festsetzung eines einheitlichen Erscheinungstags dafür sorgte, dass „Inferno“ als Weltbestseller vorgemerkt wurde, setzte in der Marketing-Kampagne auf die aktive Beteiligung des Publikums. Zweihundert Millionen Exemplare sollen weltweit von Dan Browns bisherigen fünf Romanen verkauft worden sein. Die Werbung stellte den Fans Rätselaufgaben, kopierte also das Funktionsprinzip der Bücher, die Schnitzeljagd.

          Bestsellerautor Dan Brown

          Mitte Januar wurden die Fans über das bevorstehende Erscheinen des ersten Dan-Brown-Buches seit 2009 unterrichtet und aufgefordert, in einer kollektiven Aktion den Buchtitel zu enthüllen: Indem sie über Twitter die Nachricht weiterverbreiteten, wuchs ein digitales Mosaik, das schließlich als das Wort „Inferno“ und damit als Anspielung auf einen kanonischen Text der Weltliteratur, Dantes „Göttliche Komödie“, zu entziffern war.

          Für fortgesetzte Aktivität war dadurch gesorgt, dass bei Twitter und Facebook weiteres kniffliges Material im Umlauf gesetzt wurde, durch das sich die Ungeduldigen mit dem in „Inferno“ ausgeschlachteten Stoff vertraut machen konnten. Es handelte sich vor allem um Illustrationen der „Göttlichen Komödie“ mit Schemata, Hierarchien und Chiffren, wie sie für den Kosmos der Brownschen Schmöker so bedeutsam sind.

          Dantes Epos als Vorbereitung

          In den Dan-Brown-Foren des Internetbuchhändlers Amazon und des Leserattentreffs Goodreads, der kürzlich von Amazon gekauft worden ist, wurde die muntere Stimmung des Rätsellösens bald von der ängstlichen Frage überlagert, wie viel Bildungswissen zum Verständnis des Romans, der im Florenz des vierzehnten Jahrhunderts spielen sollte, hilfreich sein könnte. Bis zum Erscheinen von „Inferno“ hatte man noch mehrere Monate Zeit - Zeit genug eigentlich zur Lektüre jedenfalls der Höllenpartien von Dantes Epos. Also tauchte die Frage auf, ob Dante zur Vorbereitung auf Dan Brown geeignet und empfehlenswert sei.

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