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Rettung durch Crowdfunding : Alex liest Agatha

Man hat es gern klein und nett, aber Läden leben nun einmal auch von der Laufkundschaft: Buchhandlung in Stralsund. Bild: dpa

Das Aussterben der gemütlichen, kleinen Buchläden geht weiter. Aber manche haben Kunden, die das nicht hinnehmen wollen. Und etwas dagegen tun.

          Was der große Amazon-Goliath kann – heute bestellte Bücher morgen an der Kundenhaustür abgeben –, das können die meisten Buchhandlungs-Davids im Land mindestens genauso gut. Sie bieten einen Online-Service an und so der übermächtigen Konkurrenz Paroli, ein zweites Standbein, ohne das viele von ihnen schon lange nicht mehr laufen würden. Eine Überlebensgarantie aber ist das nicht, wie eine Stadtteilbuchhandlung in Essen gerade erfahren musste. 1948 wurde sie als „Alexander“ gegründet und trägt, seit sich die damals neue Besitzerin 1997 auf Krimis spezialisierte, den Namen „Alex liest Agatha“. Als der kleine Laden vor einem Jahr, weil die Miete mal wieder angehoben werden sollte, aus der belebten Rüttenscheider Straße in eine kleine Nebenstraße umzog, zogen die meisten Stammkunden zwar mit, doch Laufpublikum kam keines mehr.

          Das neue Konzept mit Öffnungszeiten bis 21 Uhr, mehr Veranstaltungen und einer auffälligeren Werbung, das daraufhin entworfen wurde, griff nicht schnell genug, um die aufgelaufenen Rückstände wieder abzubauen. Eine Bank nach der anderen lehnte es ab, einen Kredit zu gewähren, und so war die Inhaberin schon bei einem Anwalt, um die Insolvenz anzumelden, und der Termin dafür vereinbart. Als sie daraufhin keine Bestellungen mehr annehmen konnte, musste sie auch, angenehm ist das ja nicht, ihre Kunden informieren. Das aber hätte sie mal besser schon früher tun sollen, denn die reagierten nicht einfach bedauernd oder verabschiedeten sich freundlich grüßend, sondern verstanden sofort, was auf dem Spiel stand und dass mit der Buchhandlung ein Stück Lebensqualität im Stadtteil verlorenzugehen drohte.

          Sie ermutigten die Besitzerin, eine Crowd-Funding-Aktion zu starten, eine Mail mit „SOS“ im Betreff wurde an 250 Empfänger verschickt, und innerhalb von vier Wochen kamen mehr als die zwanzigtausend Euro zusammen, die als Ziel für die Rettung des Ladens angepeilt waren. Zwischen zwanzig und 2300 Euro betragen die Spenden, die eingegangen sind, viele wurden von Menschen gegeben, die der Buchhändlerin bisher namentlich nicht bekannt waren, und auch darüber hinaus war die Resonanz überwältigend. Denn plötzlich wurden immer mehr Nachbarn auf den Laden aufmerksam, und auch Institutionen in der Umgebung gaben Bestellungen auf. Die Buchhändlerin jedenfalls ist zuversichtlich, bald wieder fest im Sattel zu sitzen. Der Insolvenzanwalt aber, so berichtet sie, sei fast vom Stuhl gefallen.

          Andreas Rossmann

          Freier Autor im Feuilleton.

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