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Corona-Krise im Buchhandel : Was wird jetzt aus den Verlagen?

Die Autorenbuchhandlung Marx & Co in Frankfurt. - kurz bevor sie die Türen schließen musste. Aber auch sie liefert weiter. Bild: Francois Klein

Diese Woche wurde bekannt, dass Amazon bis April bei den Verlagen keine Bücher mehr bestellt. Doch bevor es für viele Verlagshäuser zu spät ist, kann immer noch umgedacht werden.

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          Als in dieser Woche bekannt wurde, dass Amazon bis April bei den Verlagen keine Bücher mehr bestellt, sondern sich nur noch auf den Vertrieb von Haushaltswaren, Sanitätsartikeln oder anderen Produkten mit hoher Nachfrage konzentrieren wolle, wurde die brutale Abhängigkeit der Buchverlage vom weltgrößten Online-Händler so offenbar wie noch nie zuvor. Seitdem Kontaktsperre herrscht, haben die meisten Buchhandlungen im deutschsprachigen Raum geschlossen, weshalb Kunden ihre Bestellungen vor allem bei Amazon aufgaben. Dort aber wird (von Kinderbüchern und Kinderbeschäftigungsbüchern abgesehen) nur noch verkauft, was ohnehin auf Lager ist, und noch ist nicht sicher, ob sich das im April wirklich ändern wird.

          Julia Encke
          Verantwortliche Redakteurin für das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Bevor es für viele Verlagshäuser zu spät ist, kann immer noch umgedacht werden. Denn lokale Buchhandlungen nehmen telefonisch, per E–Mail oder auf ihren Websites Bestellungen entgegen, senden Bücher nach Hause; manchmal stecken Buchhändler treuen Kunden ihre Bestellungen sogar in den Briefkasten. Je mehr Bücher auf diesem Weg verkauft werden, desto größer sind die Chancen, dass Verlage, um die es jetzt erschreckend schlecht steht, überleben werden. Optimistische Stimmen findet man unter Verlegerinnen und Verlegern nur noch wenige: „In Krisen wie in anderen Zeiten denken die Menschen nicht zu allererst daran, ein Buch zu lesen. Es tröstet mich daher umso mehr, dass unsere Bücher anscheinend momentan immer noch gekauft und einander wieder Geschichten erzählt werden“, erklärt der Diogenes-Verleger Philipp Keel auf Rückfrage. Er steht damit aber ziemlich allein da.

          Kerstin Gleba, Verlegerin von Kiepenheuer & Witsch in Köln, macht aus der „dramatischen Lage“ und den „erheblichen Umsatzeinbrüchen“ keinen Hehl. Jo Lendle, Verleger des Münchner Hanser-Verlags, schrieb am Freitagabend einen Verlegerbrief an seine Autorinnen und Autoren, in welchem er Hölderlin beschwor: „Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch.“ Den Verlag, so Lendle, treffe es „mit Wucht“: „Ab nächster Woche werden wir alle in Kurzarbeit gehen müssen.“ Jürgen Christian Kill, Verleger des kleinen unabhängigen Liebeskind-Verlags, präzisiert, worin genau die Schwierigkeiten bestehen: „Seit der fast landesweiten Schließung des Buchhandels gibt es keine Bestellungen mehr, Remittenden müssen jedoch weiterhin entgegengenommen werden“, sagt er, „so dass wir derzeit negative Umsatzzahlen schreiben. Natürlich ist unser größtes Problem, in den nächsten Wochen die Liquidität aufrechtzuerhalten.

          „Die Buchhandlungen sind der Schlüssel“

          Das Frühjahrsprogramm wurde bereits ausgeliefert, innerhalb der nächsten vier Wochen werden die Druckkosten fällig, das wird unsere finanziellen Reserven erschöpfen. Wie es danach weitergeht, ist noch unklar – auch weil die von der Bundesregierung angestoßenen Hilfsprogramme auf unserem Betriebssystem nicht laufen. Soforthilfen stehen nur wirtschaftlich gesunden Unternehmen zu, die durch die Krise unverschuldet in Not geraten sind. Unsere Branche (ich rede hier vor allem von unabhängigen Literaturverlagen) befindet sich jedoch permanent im Notstand.“

          Kill überlegt sich derzeit ernsthaft, das Herbstprogramm komplett ins nächste Frühjahr zu schieben und die Verlagsgeschäfte bis Oktober ruhen zu lassen. Verschoben wird überall: Bücher, die jetzt erscheinen sollten, werden von den allermeisten Verlagen in den Sommer oder Herbst verlegt, in der Hoffnung, die Situation jetzt sei lediglich eine Unterbrechung. Doch gibt es auch jene, die an eine Unterbrechung nicht glauben und deren Einschätzung der Lage so düster ist, dass sie sie auf keinen Fall verbreitet wissen und namentlich nicht zitiert werden wollen. „Wichtig wäre mir nur die Botschaft, dass man die Buchhandlungen stützen und unterstützen muss“, sagt einer von ihnen. Er ist Verleger eines renommierten unabhängigen Verlags. „Die Buchhandlungen sind der Schlüssel.“

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