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Comic „Watchmen“ : Ist es Frevel oder Freude?

Dürfte sogar Alan Moore Respekt abnötigen: „Nite Owl“, gestaltet von der 85 Jahre alten Comic-Legende Joe Kubart und seinem Sohn Andy Bild: DC Comics

Nach fünfundzwanzig Jahren wird der epochale Comic „Watchmen“ gegen den Willen des Autors fortgesetzt. Die Fortsetzung ist gegenüber dem Original zweifach verändert.

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          Um den literarischen Rang der 1986/87 erschienenen zwölfteiligen Heftserie „Watchmen“ zu beglaubigen, wird gern erwähnt, dass sie 2005 als einziger Comic auf einer Liste zu finden war, in der das Nachrichtenmagazin „Time“ die hundert besten englischsprachigen Romane seit 1923 versammelte. Dort steht sie unter dem Namen von Alan Moore, der die Serie geschrieben hat. Dass Dave Gibbons, der sie gezeichnet hat, verschwiegen wird, mag man konsequent nennen, wenn es ums klassische Romanschema geht, aber zu einem Comic gehören immer beide: Texte und Bilder. Und wenn sie nicht aus einer Hand stammen, gehört es sich, beide Urheber zu nennen.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Dieses Versäumnis ist bezeichnend für die Rezeption des Comics „Watchmen“, der auch bildästhetisch Bahnbrechendes geleistet hat. In der großen Revolution, die der amerikanische Mainstream-Comic (also die Superhelden) vor einem Vierteljahrhundert durch die Arbeit von Moore, Gibbons, Frank Miller, Brian Bolland, Neal Gaiman, Dave McKean, Bill Szienkiewicz und David Mazzucchelli durchlief, war „Watchmen“ deshalb eine Besonderheit, weil hier die klassische Form gewahrt wurde, obwohl der Comic in den zwölf Heften noch einmal neu erfunden wurde. Schon die Aufteilung der fast vierhundertseitigen Geschichte ins traditionelle Heftschema war da ein Zeichen: Die anderen Protagonisten der neuen Welle suchten gerade umfangreichere Formate. Dafür ergänzte Moore die gezeichneten Seiten von Gibbons mit langen Textpassagen, fiktive Quellen, die erst ein Verständnis der höchst verschachtelten Geschichte ermöglichten.

          Der Schöpfer war dagegen

          Das muss man wissen, wenn nun, genau fünfundzwanzig Jahre danach, „Watchmen“ fortgesetzt wird. Das wird niemanden überraschen, der die Mechanismen popkultureller Produktion kennt: Jeder Erfolg wird fortgeschrieben, und „Watchmen“ ist einer der meistverkauften Comics überhaupt, und das rund um die Welt. Seit 1987 ist er als Sammelausgabe fortwährend nachgedruckt worden - allerdings auch, weil der DC-Verlag in dem Moment, in dem er „Watchmen“ nicht mehr lieferbar gehalten hätte, die Rechte an die Autoren zurückgeben müsste.

          Diese Regelung war kein Meisterstück von Alan Moore, aber wer hätte sich den Siegeszug dieses Comics mit einer Superheldengemeinschaft, der aber keinen einzigen der populären DC-Heroen wie Superman, Batman, Wonder Woman oder Green Lantern bot, auch vorstellen können? Moore hat es dem Verlag verübelt, dass „Watchmen“ kommerziell ausgeschlachtet wurde - bis hin zur Verfilmung von 2009, die zu den gelungensten der zahllosen Comic-Adaptionen fürs Kino gehört, aber in Moores Augen die Vorlage völlig verfehlte.

          Und so hat Moore auch der Fortsetzung der „Watchmen“-Reihe eine klare Absage erteilt. Verhindern indes konnte er sie nicht, und sein Zeichner Dave Gibbons begrüßte diese Idee sogar, denn er verspricht sich dadurch neu gesteigertes Interesse am Original und damit weitere Tantiemen. Mitwirken daran wollte er indes auch nicht; als einziger unmittelbar am Original beteiligter Künstler hat sich John Higgins gewinnen lassen, der seinerzeit die Farbgebung besorgte. Er hat für die neue „Watchmen“-Serie gemeinsam mit dem Horrorcomic-Veteran Len Wein eine Nebengeschichte gestaltet, die in jedem Heft zwei Seiten füllt: „The Curse of the Crimson Corsair“, ein Piratencomic im Erzählstil der fünfziger Jahre. Das ist eine hübsche Hommage an die alten „Watchmen“, in deren Handlung solch eine Bildergeschichte eine wichtige Rolle als Comic im Comic spielte.

          35 Hefte in sieben Reihen

          Die ersten vier Hefte der neuen „Watchmen“ sind nun in Amerika erschienen, und eine Fortsetzung sind sie nur insofern, als dass die Hauptfiguren alle wieder auftreten. Die beiden Herausgeber Will Dennis und Mark Chiarello, die für DC das Konzept der neue Serie erarbeitet haben, entschieden sich für einen Handlungszeitraum, der vor der 1985 angesiedelten Originalgeschichte liegt. Deshalb heißt der neue Zyklus „Before Watchmen“.

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