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Claudia Baumhöver : Die Defensive liegt ihr nicht

Claudia Baumhöver ist bereit für die nächste Herausforderung. Bild: Jan Roeder

Verheißung: Claudia Baumhöver folgt Wolfgang Balk als Verlegerin des Deutschen Taschenbuchverlags.

          Sie liebt den Auftritt – eine Frau, die sich entschieden behauptet in einer Verlagswelt, die in den Spitzenpositionen meist von Männern besetzt ist. Stets tritt sie als Erscheinung auf, oft in robenartige Gewänder gehüllt, perfekt drapiert und selbstbewusst inszeniert. Das hat ihr Respekt und bei manchem Kollegen kaum verhohlene Bewunderung eingetragen, eine Position, die Claudia Baumhöver festigt, indem sie handfeste wirtschaftliche Erfolge vorweisen kann: Die Baumhöver, das ist eine, die unternehmerisch denkt und die stets neugierig auf Zukünftiges ist.

          Hannes Hintermeier

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Neue Sachbücher“.

          1959 in Münster geboren und aufgewachsen, machte die spätere Verlegerin zunächst eine Ausbildung zur Kindergärtnerin, sattelte dann aber ein Studium der Sozialpädagogik drauf. Sie zog gen Süden, schrieb Feuilletons für den „Münchner Merkur“, machte Pressearbeit bei Leo Kirchs Taurus Film, dann Öffentlichkeitsarbeit für RCA Columbia Pictures, wo man sie bis nach Moskau entsandte. 1994 war sie dann Gründungsgesellschafterin des Hörverlags, in dem sich mehrere Verlage zusammentaten, um ihre Buchrechte als Audiobooks zu verwerten. Vorbild der Neugründung: der Deutsche Taschenbuchverlag, der ein vergleichbares Geschäftsmodell verfolgte.

          Baumhöver übernahm die Geschäftsführung und leistete Pionierarbeit. Gleich mit einem der ersten Streiche – der Lesung von Jostein Gaarders Erfolgsroman „Sofies Welt“ – gelang ein Bestseller. Man kann behaupten, dass sich der Siegeszug des Hörbuchs in den letzten zwei Jahrzehnten nicht unwesentlich dem Anschub durch den Hörverlag verdankt. Als die Firma 2010 im Zuge einer Marktbereinigung von Random House übernommen wurde, blieb Baumhöver an Bord, übernahm auch die Leitung von Random House Audio. In dieser Position wird ihr nun Robert Wildgruber folgen, denn Baumhöver wird, wie am gestrigen Montag bekannt wurde, Anfang 2016 die verlegerische Nachfolge von Wolfgang Balk beim Deutschen Taschenbuchverlag antreten – eine folgerichtig anmutende Personalentscheidung, wenn man die Konstruktion der Eigentümerstruktur bedenkt. Denn auch dort wird es Baumhöver mit mehreren Gesellschaftern zu tun haben, namentlich den Münchner Verlagen C.H.Beck und Hanser sowie den Hamburger Verlagsgruppen Ganske und Oetinger.

          Der sechsundsechzigjährige Wolfgang Balk hinterlässt ein gut aufgestelltes Unternehmen, das er vor zwanzig Jahren in einem jammervollen Zustand übernommen hatte. Heute spielt dtv dank seiner Neupositionierung im Geschäft der Erst- und Originalausgaben eine wichtige Rolle auf den Bestsellerlisten. Diese Position wird Claudia Baumhöver halten müssen, was ihr als Stellenbeschreibung zu defensiv klingen würde – sie wird versuchen, den Konzernverlagen anständig Konkurrenz zu machen.

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