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Charlotte Roche im Interview : „Fragen Sie mich ruhig, wie ich mit achtzehn war“

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Charlotte Roche, bekannt geworden durch ihre wenig konformistischen Moderationen beim Musiksender Viva 2, hat einen Roman über die Schönheitsdiktatur unserer Zeit geschrieben. Ein Interview über Hygiene, Haare und Tabus.

          7 Min.

          Charlotte Roche, 29, bekannt geworden durch ihre wenig konformistischen Moderationen beim Musiksender Viva 2, hat einen Roman über die Hygienehysterie unserer Zeit geschrieben. Sie erzählt in „Feuchtgebiete“ aus der Perspektive einer 18-Jährigen, betreibt Körperpolitik, indem sie mit den erzähltechnischen Mitteln der Übertreibung jenes Hygienediktat in Frage stellt, dem wir in westlichen Gesellschaften unterliegen. Im Gespräch ist schnell klar, dass wir uns über die Körperideologie, wie sie von Frauen- und Männermagazinen propagiert wird, nicht einfach erheben können. Es wäre ein schöner Betrug, zu behaupten, man selbst sei davon nicht affiziert. Man kann sich aber fragen, was Frauen wie Männer alltäglich glauben mit sich anstellen zu müssen - und welche Redeverbote wir beharrlich aufrechterhalten.

          Charlotte Roche, Ihr Buch ist in jeder Hinsicht explizit und an manchen Stellen eklig. Wenn Bekannte oder Freunde Sie fragen, worum es geht, was sagen Sie?

          Das kommt ganz darauf an, wer fragt. Wenn zum Beispiel meine Kosmetikerin sagt: Sie haben ein Buch geschrieben! Worum geht es darin? Dann sage ich: Es geht um ein Mädchen, das im Krankenhaus liegt - mehr sage ich nicht. Und wenn sie dann sagt: Dann lese ich das mal, dann rate ich ihr davon ab, weil ich weiß, dass sie ein Problem hätte. Sie ist ja Kosmetikerin, und Kosmetikerinnen sind von Berufs wegen Hygienikerinnen. Ich nehme auch oft das Wort „Pornographie“ in den Mund, um Leute abzuschrecken, wenn es sich um Verwandte handelt und ich denke, sie sollen das lieber nicht lesen, weil mir das unangenehm wäre und zu nahe käme. Dabei weiß ich natürlich, dass das Wort „Pornographie“ falsch ist.

          Es ist keine Pornographie.

          Nein, aber was ist es? Es gibt kein Wort.

          Es geht um die 18-jährige Helen, die im Krankenhaus liegt, weil sie unter Hämorrhoiden leidet und sich beim Rasieren eine Analfissur zugezogen hat. Sie hasst alles, was mit Hygiene zu tun hat. Und so hört man ihr am gewissermaßen hygienischsten Ort der Welt, nämlich dem Krankenhaus, dabei zu, wie sie sich ihre Gedanken über ihren Körper macht - und zwar über die Dinge, die gewöhnlich jeder mit sich selbst ausmacht, über die man nicht spricht. Haben Sie sich vorher eine Liste von Dingen gemacht, für die es ein gewisses Redeverbot gibt?

          Nein, das nicht. Ich wusste, dass ich etwas über die Themen „Frauen, Hygiene, Gerüche“ schreiben wollte, über die ganze Hygienehysterie, von der wir umgeben sind und die mich schon seit Jahren aufregt: parfümierte Slipeinlagen, Intimwaschlotionen, dieser ganze Wahnsinn. Zunächst habe ich überlegt, ein Sachbuch zu schreiben.

          Das wäre wahrscheinlich einer dieser Ratgeber in Ich-Form geworden, wie er in den Frauenecken der Buchhandlungen steht.

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