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Literaturauszeichnung : Clemens J. Setz erhält den Büchnerpreis

Clemens J. Setz im Jahr 2015 Bild: Picture-Alliance

Mit der Vergabe der wichtigsten deutschsprachigen Literaturauszeichnung an den österreichischen Schriftsteller setzt die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung auf Qualität und Jugend zugleich.

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          Der von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung verliehene Georg-Büchner-Preis, die angesehenste Literaturauszeichnung im deutschen Sprachraum, geht in diesem Jahr an Clemens J. Setz. Die Akademie nimmt somit ihr öffentlich bekundetes Vorhaben, einerseits weiblicher, andererseits jünger zu werden, ernst. Im Vorjahr war die Lyrikerin Elke Erb ausgezeichnet worden, erst als elfte Frau seit 1951. Setz wiederum, Jahrgang 1982, ist nun deutlich jünger als seine 1938 geborene Vorgängerin.

          Andreas Platthaus
          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Was bedeutet aber die Entscheidung für Setz über diese eher literaturferne Betrachtung hinaus? Sie ist erfreulich, denn der österreichische Schriftsteller steht für eine Literatur abseits der üblichen Erwartungen. Nicht, dass seine Romane wie „Die Frequenzen“ (2009), „Indigo“ (2012) oder „Die Stunde zwischen Frau und Gitarre“ (2015) keine Erfolge gewesen wären, aber ein ganz großes Publikum hat Setz damit noch nicht erreicht. Auch nicht, nachdem er, der seine ersten beiden Bücher bereits beim renommierten österreichischen Residenz-Verlag veröffentlicht hatte, 2011 zum noch renommierteren Suhrkamp-Verlag gewechselt war.

          Dafür spricht dieser Autor aber ein ungewöhnlich junges Publikum an, weil seine Bücher – und das gilt auch für die Essays, Erzählungen und Übersetzungen – bewusst etwas anderes bieten als leicht konsumierbare Belletristik. Setz nimmt beim Schreiben die Gegenwart in den Blick, ohne sich mit banalen gesellschaftskritischen Aussagen aufzuhalten. Seine Zeitanalyse erfolgt indirekt und unideologisch. Dafür bringt er seine ganze Persönlichkeit in öffentliche Auftritte ein. Seine Lesungen und Poetikvorlesungen sind nicht nur rhetorische Ereignisse. Und er ist ein literarischer Entdecker: Die späte Veröffentlichung von Florian Havemanns Romanriesen „Speedy“ im vergangenen Jahr verdankte sich einem Artikel von Setz in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Verliehen wird die mit 50.000 Euro auch finanziell lukrative Auszeichnung (der Versuch einer anderen Literaturauszeichnung, dem Büchnerpreis durch eine höhere Dotierung den Rang abzulaufen, wurde nach einigen Jahren, in denen es nie den Mut zu einer Einzelauszeichnung gegeben hatte, durch Absenkung aufs selbe Niveau wieder aufgegeben) am 6. November im Staatstheater Darmstadt. Man darf nur hoffen, dass die dann geltenden Pandemiebedingungen es erlauben werden, diesmal wieder Publikum in den Saal zu lassen, nachdem die letztjährige Online-Preisverleihung ein Debakel gewesen ist: Die Zuschauerzahl beim Live-Stream hatte damals ungefähr der von zwei besetzten Reihen im Großen Haus entsprochen. Aber für eine Steigerung dürfte diesmal schon der Name Clemens J. Setz sorgen.

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