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„Afropessimismus“ : Gegen alle liberale Zuversicht

  • -Aktualisiert am

Frank Wilderson zufolge sind Afroamerikaner erst im Moment ihrer Versklavung in die Geschichte eingetreten, und dies wird auch durch sozialen Aufstieg – etwa zum mächtigsten Mann der Welt – nicht aufgehoben. Bild: AFP

Eine kaum überbietbare Zuspitzung der Rassismus-Polemik: Frank Wildersons „Afropessimismus“ beruht auf radikal kompromisslosen Annahmen – und ist ein Meilenstein in der großen Debatte unserer Zeit.

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          Ist ein Schwarzer ein Mensch? Die ungeheuerliche Frage stammt nicht etwa von einem mörderischen Rassisten des Ku-Klux-Klan, sie stammt von Frank Wilderson III, Philosoph, Filmemacher, Professor für African American Studies an der Irvine University of California und politischer Aktivist. Und er gibt auch die ebenso ungeheuerliche Antwort: Nein, der Schwarze ist kein Mensch. Was für eine Provokation, dass Wilderson eben nicht zurückgeht auf die klassische humanistische Formulierung, dem Schwarzen werde von den Weißen sein Menschsein abgesprochen; nein, er besteht ohne Wenn und Aber auf der bestimmten Negation: Der humanistische Begriff der Menschheit schließt den Schwarzen nicht ein. Der Schwarze ist „der Andere“.

          Frank Wildersons „Afropessimismus“ führte bei seinem Erscheinen im April 2020 sofort zu heftigsten Diskussionen. Man wäre versucht, es bereits jetzt zwischen die Klassiker der schwarzen Literatur einzureihen – zwischen Frantz Fanon und Eldridge Cleaver –, doch seine radikale Kompromisslosigkeit verbietet jede voreilige Beruhigung im Kanon. In den gegenwärtigen aufgeheizten Auseinandersetzungen und ideologischen Kämpfen um Rassismus und Ausgrenzung sowohl auf realen wie auf bloß terminologischen Schauplätzen, wirkt Wildersons Buch als Zuspitzung, als Zumutung, als eine Herausforderung auch für diejenigen, die sich einig wissen im Widerspruch gegen jede Form von Rassenhass. Denn gerade dieser Konsens gegen jede Form des Rassismus wird hier gekündigt: Es gibt keine Gleichheit in der Unterdrückung.

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