https://www.faz.net/-gr0-ahatr

Krautrock : Zukunftsklänge aus dem Zodiak

Im Ausland höher geachtet als in der Heimat: die Band Faust im Musikstudio zu Beginn der Siebzigerjahre Bild: Picture Alliance

Deutsches war cool, fremd und verlockend: Christoph Dallach würdigt den Krautrock, indem er dessen wichtigste Vertreter ausführlich zu Wort kommen lässt.

          3 Min.

          Was hat sich die deutsche Plattenindustrie austricksen lassen! Der Journalist und Manager Uwe Nettelbeck verkaufte Anfang der Siebzigerjahre die Experimentalband Faust als die „neuen Beatles“. Das Musiklabel Polydor war in Sorge, das nächste große Ding zu verpassen, nahm sie unter Vertrag, kaufte der Truppe eine alte renovierte Schule in Wümme bei Bremen und ließ sie ein Jahr lang Aufnahmen machen. Irgendwann merkte die Plattenfirma, dass dabei keine Hits heraussprangen, sondern die langhaarigen Käuze eher an dem Teil von „I Am The Walrus“ interessiert waren, an dem sich die Bänder rückwärts drehen.

          Philipp Krohn
          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Nach zwei Alben ließ man sie fallen. Dafür hatte Richard Branson mit seinem neu gegründeten Virgin-Label Interesse. Die Verkaufszahlen blieben überschaubar, doch der kulturelle Nachhall der deutsch-österreichisch-französischen Band ist so mächtig, dass Faust neben Can und Neu! zum Inbegriff des Krautrock wurden. Karrierehighlight: Ein auf der Straße angesprochener Arbeiter sprengt mit einem Presslufthammer die Schallgrenze eines Rockkonzerts und nimmt das Genre Industrial vorweg. Die drei Vorzeigegruppen haben Horden jüngerer Bands inspiriert. „Faust sind im Ausland immer besser angekommen als in Deutschland“, beklagt sich Bandmitglied Hans-Joachim Irmler. „Wahrscheinlich müssen wir erst alle tot sein, bis sich hier jemand für uns interessiert.“

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.
          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+
          Der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Thomas Haldenwang, im Januar in Berlin

          Verfassungsschützer Haldenwang : „Corona ist nur der   Aufhänger“

          Die Corona-Proteste stellen den Verfassungsschutz vor Herausforderungen. Präsident Thomas Haldenwang spricht im Interview über eine neue Szene von Staatsfeinden, sein Problem mit dem Messengerdienst Telegram und Maulhelden im Netz.
          Russische Soldaten nehmen an Übungen auf dem Schießplatz Kadamowskii in Rostow am Don teil.

          Krise mit Russland : Nach der Ukraine ist Europa dran

          Putin will nicht nur die Ukraine. Er will Hegemonie über ganz Europa. Die EU muss deshalb über eine eigene Abschreckung reden. Frankreich hat die Debatte eröffnet.