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Samule Pepys: Sämtliche Tagebücher : Der gar nicht alltägliche Alltag in Merry old England

  • -Aktualisiert am

Mister Everyman in der Pose eines Königs: Der fabelhafte Samuel Pepys, von John Greenhill 1669 gemalt Bild: Verlag

Eine Offenbarung gelebten Lebens: Die Tagebücher des Samuel Pepys sind zum ersten Mal vollständig ins Deutsche übersetzt. Sie erzählen, wie ein Mann aus der zweiten Reihe der Geschichte in die erste Reihe der Weltliteratur vorrückte.

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          Sechsunddreißig Jahre ist der Mann auf John Greenhills Porträt von 1669. Seine Haltung drückt Vornehmheit und Distanz aus, der Welt nur halb zugewandt; das Kostüm der Zeit wird durch die schweren Falten einer braunseidenen Toga verhüllt, die vielleicht einfach ein besonders prunkvoller Morgenrock ist. Die üppige Allonge-Perücke in französischem Stil, ist ganz neu, die Perückenmode ist eben erst über den Kanal nach England gekommen, und der Porträtierte zweifelte zunächst, ob sie sich durchsetzen werde, weil durch die vielen Pesttoten vor allem infiziertes Menschenhaar auf dem Markt sei. Aber das Gesicht hat nichts von dem Windhundkopf eines van-Dyck-Aristokraten, es ist von beinahe kindlicher Rundlichkeit mit dicken Lippen, vorgewölbten großen Augen unter schweren Lidern und den Wangen eines Putto, man denkt an einen freundlichen Genießer, der durch ernste Sorgen verdüstert ist.

          Und dabei war sein Leben bisher eine einzige Freude. Der Sohn eines Schneiders ist als einflussreicher Beamter des Flottenamtes in eine Behörde aufgestiegen, in der die künftige Weltmachtstellung Englands verbreitet wird. Er gehört gleichberechtigt in den Kreis der aristokratischen Staatsdiener, die in nächster Nähe zum König Kriege planen, Eroberungen verwalten, mit Riesensummen umgehen und ihre Netze über die Weltmeere ausgeworfen haben. Ein Lord ist er noch nicht, aber er könnte einer werden, sein Porträt nimmt das Potentielle schon vorweg. Aber da sind die Augen, die ihm Kummer machen, der nach heutigen Begriffen junge Mann fürchtet zu erblinden - ist das rechte Auge auf dem Gemälde nicht tatsächlich wie durch eine Entzündung getrübt oder leicht schielend? Und er ist Augenmensch, ein Sammler schöner Bilder und reizvoller Frauen, er bewundert die Eleganz einer Robe und eines Zimmers, aber nicht wie ein blasierter Ästhet, sondern mit der naiven Lust eines Kindes, das nach dem, was ihm gefällt, die Hände ausstreckt. Steht jetzt der Eintritt in die Dunkelheit bevor?

          Die Ordnung der Bücher folgte ausschließlich dem Format

          Zum Zeitpunkt, als er dem Maler für dies Bild Modell stand, war noch offen, was ihm zum Glück erspart bleiben sollte. Und doch war 1669 ein Schicksalsjahr für Samuel Pepys. Seine geliebte, vielfach betrogene und mit Mühe versöhnte Ehefrau starb mit neunundzwanzig Jahren, nicht im Kindbett nebenbei, wie die meisten Ehefrauen dieser Zeit, das Paar blieb kinderlos. Und Pepys nahm einen weiteren Abschied von seinem Tagebuch, das er nun bald zehn Jahre mit nicht nachlassendem Eifer geführt hatte, sein Werk, das ihn zu einem Autor der Weltliteratur werden ließ, obwohl er es der Welt in einer kunstvollen, kostbaren, aber nicht unüberwindbaren Verstecktheit vermachte.

          Bild: Verlag

          Die Auffindung der Pepys-Tagebücher ist eine in England berühmte Geschichte. Öffentlichkeit ist zuweilen ein besonders sicheres Versteck. Als Samuel Pepys, esquire, sich siebzigjährig zu seinen Vätern versammelte, hinterließ er eine Büchersammlung, die nicht nur enthielt, was bei einem Mitglied der Royal Society, der englischen Akademie der Wissenschaften, und einem Freund Isaac Newtons zu erwarten war, sondern auch eine für seine Zeit höchst ungewöhnliche Mischung aus hoher und volkstümlicher Literatur. Diese dreitausend Bände waren in zwölf Bücherschränken aufgestellt, die Pepys nach eigenen Entwürfen hatte anfertigen lassen, sie hatten verglaste Türen, damals sehr ungewöhnlich; die Ordnung der Bücher folgte ausschließlich dem Format, so dass im ersten Schrank die kleinsten, im letzten die größten Bücher, sämtlich in Leder gebunden, standen.

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