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Radsport : Wenn Profis Profis bei der Arbeit zusehen

Natürlich spielt die Tour de France die Hauptrolle in dem Magnum-Bildband, wie auf diesem Foto von Guy Le Querrec. Hier ist das Renault-Elf-Team beim Wintertraining zu sehen, vorne Philippe Chevallier. Bild: GUY LE QUERREC / MAGNUM PHOTOS

Fotografen der Agentur Magnum beobachten Radrennen: Die erstaunliche Auswahl viele Jahrzehnte hinweg ist nun in einem Bildband zu bestaunen.

          Das Archiv der weltbekannten Fotoagentur Magnum sichten zu dürfen ist gewiss ein Privileg, das jeder gern hätte, der sich nur ansatzweise für das Medium Fotografie interessiert. Dem Londoner Radsport-Experten Guy Andrews wurde diese Ehre zuteil, das Ergebnis ist ein Bildband, der von „Großen Radrennen“ handelt, und damit ist naturgemäß in den meisten Fällen die Tour de France gemeint, die vor der Haustür vieler Magnum-Mitglieder stattfand. Versammelt sind unter anderem Bilder des Agentur-Mitbegründers Henri Cartier-Bresson, von Robert Capa, René Burri, Thomas Hoepker, Martine Franck. Es war Cartier-Bresson, der sich der Radsport-Sprache bediente, als er verkündete, man wolle sich „nicht zum Domestiken der Presse machen lassen“.

          Hannes Hintermeier

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Neue Sachbücher“.

          Drei Tour-Jahrgänge hat Andrews ausgewählt: 1939 (fotografiert von Robert Capa), 1982 (Harry Gruyaert) und 1985 (John Vink und Christopher Anderson). Ein Kapitel widmet sich Wintertraining und Frühjahrsrennen, eines dem Bahnradsport, das Schlusskapitel richtet sein Augenmerk auf Zuschauer und die Inszenierung des Spektakels. Mithin: Die Auswahl entbehrt einer erkennbaren Systematik, ihre Kriterien bleiben im Dunkeln. Vermutlich haben Überwältigungsmomente den Ausschlag gegeben – sowie die Not, eine Auswahl treffen zu müssen. „Bahnrennen zu fotografieren stellt auch Profis immer wieder vor große Herausforderungen“, schreibt Andrews, aber deswegen sind sie ja Profis, möchte man ihm zurufen. Nein, der Texte wegen muss niemand diesen Band kaufen, aber die Bilder, die Bilder!

          Ein Moment, der die ganze Leidenschaft festhält

          Zum Beispiel die Zuschauer vor dem Radladen des Pierre Cloarec, genannt „Clo-Clo“, aus dem bretonischen Quimper, die Capa 1939 schoss. Sie führen mitten hinein in das Faszinosum des Straßensports, der an der Haustür seiner Fans vorbeifährt: Wie Cloarecs Sohn Pierrot in einem wollenen Einteiler auf die Vorbeifahrt des Vaters an seinem Laden wartet, ist so ein Moment, der eine ganze Leidenschaft festhält. Christopher Andersons Porträt des unseligen Lance Armstrong im Pool mit seiner Freundin Sheryl Crow führt mitten hinein in die „verlorenen Jahre“ der Dopingskandale; Mark Powers zeigt bei einer Tour-Etappe in Brighton Fans in gepunkteten Oberteilen, die das Bergtrikot zitieren und zugleich den karnevalesken Charakter des Rennens auf den roten Punkt bringen. Die politische Dimension steuert Thomas Hoepker bei, der die Friedensfahrt anno 1974 in Ostberlin als Politshow mit Beteiligung des sowjetischen Bruders entlarvt.

          Sport trifft Geschichte und Kultur: Die meisten Texte sind nur bessere Bildlegenden, aber zum Glück ist die außergewöhnliche Güte des gezeigten Archivmaterials selbsterklärend.

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